(Review) In einem anderen Land von Ernest Hemingway

Einen größeren Gegensatz könnte es wohl zwischen der Handlung einer Geschichte und dem Ort, an dem sie gelesen wurde, nicht geben. In einem anderen Land von Ernest Hemingway beschreibt den Kriegsalltag im ersten Weltkrieg an der umkämpften Grenze zwischen Italien und Österreich. Dementsprechend brutal waren die Erfahrungen, die die Figuren in der Geschichte machen mussten, während ich das Wochenende in einem kleinen Örtchen im Odenwald verbrachte, mit den wohl friedlichsten Menschen, die ich kenne. Die einzige Gemeinsamkeit war der strömende Regen.

Hemingway griff beim Schreiben dieser Geschichte auf seine persönlichen Erfahrungen als Freiwilliger des Roten Kreuzes an der italienischen Front zurück. Ich kann mir nur begrenzt vorstellen, was der 18 Jahre junge Hemingway dort alles erleben muss, durch die Geschichte bekommt man allerdings einen recht guten Eindruck davon.

800px-World_War_I_Italy_Paramedic_Hat_1917
Sanitätermütze aus dem Besitz Hemingways

Frederic Henry, ein junger US-Amerikaner, der ursprünglich zum Studieren nach Italien gekommen war, hilft an der italienischen Front zu Österreich als Fahrer für Krankenwägen. Verwundungen, unerwartete Angriffe, Tote von Freunden und die große Liebe lassen Frederic und den Leser nicht zur Ruhe kommen. An manchen Stellen war ich wirklich überrumpelt, wahrscheinlich nicht weniger als Frederic, welchen Hindernissen er sich plötzlich gegenüber sieht. Und obwohl (oder gerade weil) man nicht weiß, welche Windungen die Geschichte noch nimmt, fühlte ich mich als Leser gefangen, sodass ich das Buch nicht zur Seite legen konnte.

View_from_Svinjak_peak
Landschaft am Isonzo, nahe der umkämpften Region im Buch.

Neben der Geschichte an sich ging es mir auch ein wenig um das physische Buch. Die Ausgabe stammt aus dem Jahr 1957. Meine Großmutter hatte es sich damals gekauft und ich kann mir wahrscheinlich nicht annähernd vorstellen, mit welchen Gefühlen sie das Buch gelesen hat, denn sie hat selbst als Krankenschwester im Zweiten Weltkrieg gearbeitet. Durch die Lektüre habe ich mich ihr, die vor ein paar Jahren gestorben ist, irgendwie nahe gefühlt.

(Review) Der Wüstenplanet von Frank Herbert

Seit meiner Kindheit übt diese Geschichte eine gewisse Anziehungskraft aus. Mein Vater hat mindestens einmal im Jahr die DVD heraus geholt, die Lautstärke der Stereoanlage auf Maximum gestellt und so die Würmer in unser Wohnzimmer gelockt. DUNE – wie der Film im Original heißt – klang für mich immer nach einem Meisterwerk von Film- und Erzähltechnik.

CczMQ4IWwAMPkOr.jpg large
Dachbodenfund: Der Wüstenplanet 1-5

Vor einigen Monaten habe ich dann auf dem Dachboden alle 5 Teile des Wüstenplanets gefunden und ich hatte mich schon auf das Lesen gefreut, doch aus irgendeinem Grund (*böse zu meinen Eltern rüberschiel*) fehlen im ersten Band 80 Seiten :0 Deshalb war es Zeit für meine eigene Ausgabe.

Arrakis – der Wüstenplanet – ist von Außen betrachtet ein ziemlich trostloser Ort. Nahezu vollständig von Sand bedeckt, von riesigen gefräßigen Würmern bewohnt und somit nicht unbedingt der lebensfreundlichste Ort, wird er für Herzog Leto Atreides und seiner Familie und dem herzoglichen Haus zur neuen ungewöhnlichen Heimat. (Review) Der Wüstenplanet von Frank Herbert weiterlesen

(#jdtb16) Meine Taschenbücher im Juli

Dieser Monat wurde durch viele Reisen ausgezeichnet, durch viel Zeit zu lesen, aber wenig Lust zu kaufen. Deshalb steht auf meiner Liste auch nur ein Taschenbuch-Roman, zusammen mit zwei Sach-Comics, die ich schon seit längerem im Blick habe und die jetzt endlich mir gehören😉

Jasper Fforde – Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

Dieses Buch habe ich aus einem dunklen Winkel in der Buchhandlung ausgegraben. Es ist so abgedreht wie verwirrend und hat einfach nur Spaß gemacht. Und ich habe gehört, es soll davon noch mehr geben… Mehr dazu gibts hier in der Review. (#jdtb16) Meine Taschenbücher im Juli weiterlesen

Kopf leicht, Kopf schwer

Die Arbeit an meinen Geschichten vergleiche ich oft mit einem Tauchgang. Der Anfang ist leicht, ich springe ins Wasser, fühle mich lebendig mit meinen neuen Figuren, tauche ein, alles ist ganz einfach.

Auch das tiefer Tauchen geht leicht von der Hand. Ich möchte mehr über meine Figuren erfahren, genieße die Umgebung, die Stimmung, das Gefühl auf die Unterwasserlandschaft von oben draufschauen zu können, alles im Blick zu haben, ohne mich um die Details kümmern zu müssen. Mein Kopf ist in solchen Momenten so schwer vor Ideen, dass das Absinken ganz schnell geht und ich mich in meinen Geschichten realer fühle als in der Realität. Kopf leicht, Kopf schwer weiterlesen

(Review) Der Fall Jane Eyre von Jasper Fforde

Nun endlich, nach langem Aufschrieben, kommt die Review zu diesem wirklich kurzweiligen Buch:

Englische Ausgabe - Cover von Goodreads
Englische Ausgabe – Cover von Goodreads

Ich habe das Buch nichts Böses ahnend gefunden, als ich mich in den hintersten Ecken der Buchhandlung rumgetrieben habe… Dort, wo nur die hingehen, die wirklich ein ganz bestimmtes Fantasy-Buch suchen – oder die einfach zu viel Zeit haben, wie ich gerade. Bekommen habe ich eine unglaublich verrückte, verschrobene Geschichte, die ich so wirklich nicht erwartet hatte. Beginnen wir aber von vorne:

Wir schreiben das Jahr 1985. England liegt seit vielen Jahrzehnten im Kleinkrieg mit dem zaristischen Russland, Wales hat seine Unabhängigkeit geklärt und die Grenze dicht gemacht, und quer über die britische Insel tuckern Zeppeline, um die größeren Städte zu verbinden.

(Review) Der Fall Jane Eyre von Jasper Fforde weiterlesen

(Review) Die längste Nacht von Isabel Abedi

28698011Zunächst einmal vorweg, ich bin ein riesiger Abedi-Fan. Besonders ihr Buch „Isola“ hat es mir angetan, ich habe es inzwischen bestimmt schon über zehn Mal gelesen und es fasziniert mich noch immer. Ich halte es für eins der besten Bücher in meinem Regal. An diesem Anspruch müssen sich dann aber auch neue Bücher von Abedi messen.

„Die längste Nacht“ spielt in Italien, genauer gesagt handelt es von einem Roadtrip dreier Freunde, der irgendwie in Italien hängen bleibt. Vita, die Ich-Erzählerin, ist unterwegs mit Trixie und Danilo. Die haben beide ihre Liebenswürdigen Macken: Danilo ist Hobby-Cello-Spieler und steht außerdem auf Meditation und Yoga, Trixie ist aufbrausend und wild, aber eine super Freundin, am auffälligsten finde ich allerdings Vitas Vorliebe für Stairway to Heaven von Led Zeppelin. (Review) Die längste Nacht von Isabel Abedi weiterlesen

(Review) Unterwerfung von Michel Houellebecq

23929506Irgendwie habe ich mir dieses Buch ein wenig anderes vorgestellt, dieses wohl meistdiskutierteste Buch im Jahr 2015. Ich hatte gedacht, es wäre analystischer, vielleicht empörter, doch damit lag ich weit daneben, was das Buch nicht unbedingt schlechter macht.

Beschrieben wird der Sieg einer islamischen Partei im Jahre 2022, allerdings in einer Koalition mit den zwei anderen etablierten französischen Parteien, um einen Sieg des Front National zu verhindern. Diese Entwicklung trifft den Hauptcharakter Francois unerwartet. Er hatte sich vorher nicht sonders für Politik interessiert und wirkt für mich nun etwas erstaunt darüber, was eine einfache Wahl in seinem Leben von Heute auf Morgen bewirken kann. (Review) Unterwerfung von Michel Houellebecq weiterlesen

(#jdtb16) Meine Taschenbücher im Juni

Fragt mich nicht, warum ich diesen Monat nur weiße Bücher gekauft habe, aber es ist tatsächlich so. Ich versichere euch, dass es nicht mit Absicht passiert ist!😀 Trotz der farblichen Übereinstimmung hat der Juni für eine „bunte“ Mischung an Büchern gesorgt:

Victoria Schwab – This Savage Song

Erscheinungsjahr: 2016
Genre: YA-Dystopie
Seiten: 407
Verlag: Titan Books

UnbenanntWährend ich sehnsüchtig auf den dritten Teil der „A Darker Shade of Magic„-Reihe warte (der erst im Februar erscheint! :/), habe ich mir die Zeit ein wenig mit der aktuellen Neuerscheinung von Victoria Schwab vertrieben. Es geht um Monster und um Menschen – und darum, dass die Grenze dazwischen oft fließend verläuft. Ein Monster-Junge, der sich nichts wünscht, als menschlich zu sein, und ein Mädchen, das für ihre Grausamkeiten bekannt ist… Was passiert, wenn die beiden aufeinander treffen, könnt ihr in „This Savage Song“ nachlesen.

(#jdtb16) Meine Taschenbücher im Juni weiterlesen

(#jdtb16) Meine Taschenbücher im Mai

Der Mai hat ganz schön zugeschlagen und präsentiert sich mit sechs (!) Neuzugängen.

image

Divergent und Insurgent von Veronica Roth

Erscheinungsjahr: 2011, 2012
Genre: YA-Dystopie
Seiten: 487, 525
Verlag: HarperCollins

Den ersten Teil dieser Trilogie habe ich zögernd begonnen zu lesen, weil ich den Film eher mittelmäßig fand. Dennoch zeigt sich auch hier, dass es sich immer wieder lohnt, die Bücher hinter den Filmen kennenzulernen.

(#jdtb16) Meine Taschenbücher im Mai weiterlesen

(Review) Irisches Tagebuch von Heinrich Böll

Kein Werk von einem irischen Schriftsteller, sondern ausnahmsweise mal etwas über Irland von einem deutschen Schriftsteller.

image

Seltsamerweise ist es das erste Buch, das ich von Böll lese, bisher ist er irgendwie an mir vorüber gegangen. Böll war ein sehr politischer Schriftsteller, der sich in der Nachkriegszeit und der jungen Bundesrepublik in seinen Schriften mit dem aktuellen Geschehen auseinander setzte. Das Irische Tagebuch entstand bereits 1954/55, als Böll mit seiner Familie ein Jahr in Irland verbrachte. Später wird er vor allem in den Sommermonaten noch öfter zum Urlaub nach Irland kommen.

„Als ich an Bord des Dampfers ging, sah ich, hörte und roch ich, dass ich eine Grenze überschritten hatte; […] hier roch es schon nach Torf, klang kehliges Keltisch aus Zwischendeck und Bar, hier nahm Europas soziale Ordnung andere Formen an […].“ S.9

(Review) Irisches Tagebuch von Heinrich Böll weiterlesen