Liu Cixin, der Weltenzerstörer und ich – eine FBM-Geschichte

Vielleicht habt ihr es zufällig mitbekommen. Es war MEIN HIGHLIGHT auf der Buchmesse. Eigentlich wollte ich nur spontan zu einem Interview mit Liu Cixin. Er gab an dem Tag noch weitere Interviews, die ich mir alle angestrichen hatte (und abends auch noch eine Signierstunde), aber ich hatte gerade Luft, also warum nicht gleich. Also stellte ich mich an den Stand, es war noch nicht sehr viel los, dann füllte es sich allmählich und da war er dann: Der Autor der Bücher, die mich so sehr faszinierten, einfach weil sie in so anderen Dimensionen dachten als all die Science Fiction Bücher, die ich bisher von anderen Autoren gelesen hatte.

Das Interview war interessant, okay, vermutlich hatte ich mir davon mehr erhofft.

Aber es ist auch schwierig in zehn Minuten in eine Art Gesprächsfluss zu gelangen, wenn eine Dolmetscherin zwischendrin immer übersetzen muss. Ich bin mir sicher, dass die Zuhörer um mich herum, die des Chinesischen mächtig waren, viel mehr von diesem Gespräch mitgenommen haben als ich (sie haben auch ein paar Mal gelacht, keine Ahnung warum :D). Auf jeden Fall waren die zehn Minuten Gespräch ziemlich schnell um, der Journalist verabschiedete Cixin, seine Dolmetscherin stand auf, er stand auf… Naja, dachte ich mir, okay, war ganz nett, wo wollte ich jetzt nochmal hin?

Die Leute um mich herum gingen auch wieder ihrer Wege. Nur ein paar gingen nach vorne und drängten sich um den Autor. Und ich dachte mir: Hey, warum nicht? Normalerweise bin ich nicht so jemand, der da selbstbewusst nach vorne schreitet und jemandem Stift und Zettel für ein Autogramm in die Hand drückt. (Auf meiner allerersten Buchmesse mussten meine besten Freundinnen auch zu Kai Meyer gehen und ihn um ein Autogramm bitten, weil ich mich nicht getraut hatte :D) Gaaanz zufällig hatte ich auch die Weltenzerstörer-Novelle, also die aktuelle Übersetzung im Rucksack. Ich meine… hoffen darf man ja.

Ich ging dann also auch nach vorne, mein Buch und einen Stift in der Hand, wartete geduldig bis die Leute vor mir weg sind, streckte mein Buch aus… Und er drehte sich weg! Sekunden bevor er mein Buch gegriffen hätte! Seine Dolmetscherin drängte ihn aus dem Stand, er hatte sicherlich noch andere Termine, ich verstand das total. Etwas enttäuscht blieb ich im leeren Stand zurück: Was jetzt? Doch Cixin war auch auf dem Gang noch nicht weiter gekommen. Immer wieder kamen Leute, machten Fotos mit ihm, hielten ihm Sachen hin… Ich kann mir echt vorstellen, wie nervig das teilweise sein kann, wenn man nicht einmal laufen kann, ohne dass einen von allen Seiten Menschen anfallen, deshalb hielt ich mich zurück, beobachtete. Er hatte wirklich für jeden ein freundliches Wort übrig, unterhielt sich mit manchen über mehrere Sätze (okay, ich verstand nichts von dem was er sagte, spricht er überhaupt Englisch?). Und dann stand er plötzlich doch vor mir und ich hielt mein Buch hin, er unterschrieb und dann war er auch schon wieder weg, ich glaube ich habe „Thank you very much!“ gestammelt, aber so ganz genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern.

Danach bin ich mit zitternden Händen erstmal nach draußen und musste ganz tief Luft holen. An dem Tag hätte mir wohl nichts in der Welt das Grinsen vom Gesicht nehmen können.

Am nächsten Tag, wieder etwas beruhigt und zu Hause, las ich dann zumindest mal das Buch (in das ich vorher reingespitzelt hatte aber nicht wirklich genug Zeit, um es zu lesen). Und es war mal wieder großartig. Wie leicht Cixin uns bewusst machen kann, dass sich nicht immer alles nur um uns Menschen dreht, sondern dass wir das Leben und uns als Einheit mit viele Facetten betrachten sollten, dem man in Demut und mit Respekt entgegen treten sollte. Was macht uns besser als eine Ameise? Nur die Tatsache, dass wir mehr Macht über sie haben, weil wir größer sind?

Ich freue mich schon soo sehr auf die Übersetzung des dritten Teils der Drei-Sonnen-Trilogie… Ihr euch auch?

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