(3) Hinter jeder Ecke

JCK1236 – 02.04.1265 – 12:15

Jane kannte sich nicht aus in dieser Stadt, und das, obwohl sie hier seit ihrer Geburt lebte. Viel zu oft benutzte sie das Auto oder die Personentransporter oder blieb gleich ganz zu Hause. Viel zu selten ging sie zu Fuß über die Bürgersteige, die jetzt um die Mittagszeit von Menschen bevölkert waren.
Ab und zu nickte ihr einer der Passanten zu, doch Jane erkannte keinen unter den sterilen Masken, die alle vor den Gesichtern trugen. Überall blinkten und leuchteten die Bildschirme und Jane konnte die verschiedensten Motive erkennen, mit denen ihre Träger ausdrücken wollten, wie es ihnen ging. Sie sah Katzen, Sonnenuntergänge, ein Mann trug sogar das Bild einer Bierflasche vor seinem Gesicht. Und das um zehn Uhr vormittags… Der Bildschirm ihrer eigenen Maske zeigte gerade eine sich im Wind wiegende Sonnenblume, die Reflexion des Bildes begleitete sie durch die verglasten Häuserpassagen.

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Glaubwürdigkeit und Emotionen

Wie schon angekündigt handelt dieses Kapitel von Glaubwürdigkeit und wie Emotionen dabei helfen können. Emotionen sind eigentlich die Grundlage unseres Handwerks. Wir wollen Geschichten schreiben, die den Lesern im Gedächtnis bleiben, die ihm zum Nachdenken und zum Weiterlesen anregen. Wie schaffen wir es, dass unsere Geschichte nicht nach der letzten Seite vergessen wird? Die Antwort ist einfach: Wir müssen Emotionen wecken. Dabei müssen es nicht einmal positive Gefühle wie Mitgefühl sein, wir können die Hauptfigur auf abstoßend finden und verabscheuen, aber trotzdem wollen wir wissen, wie es mit ihr weiter geht (bestes Beispiel: Das Parfum). Aber zunächst soll es darum gehen, was eine Geschichte und deren Figuren glaubwürdig macht.

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(2) Über den Dächern

SHB1240 – 02.04.1265 – 10:09

Simon stieg die letzten Stufen hinauf und sah sich um. Vor ihm breitete sich die Dachterrasse des Hochhauses aus, dahinter lag die weite Stadt. Ein kühler Wind traf auf seinen Körper und ließ ihn frösteln, er zog die Jacke zu, doch es half nichts.
Mit schnellen Schritten überquerte er die ebene Fläche bis zur Dachkante. Dort löste sich schon der weiße Putz, an vielen Stellen war auch der Beton abgeplatzt und legte die eisernen Gerüste im Innern frei. Heruntergekommen, wie alles auf diesem elenden Planeten, dachte sich Simon und setzte sich. Die Beine ließ er über die Kante hängen, dabei rieselte etwas der Bausubstanz in die Tiefe unter ihm. Es störte ihn nicht. Zerfall und Tod waren ein Teil seines Lebens und ein Teil von ihm.

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(1) Intro

3…
2…
1…
Das Bild flimmert, dann erscheint eine Hausecke neben einer Straße. Eine Frau in Trenchcoat und kurzem Kleid steht wartend vor dem Hauseingang. Das Bild auf ihrer Maske pulsiert, die Motive wechseln schnell, sie kann sich nicht entscheiden, denn sie ist aufgeregt. Die Maske bedeckt ihr ganzes Gesicht und der Bildschirm darauf lässt nur die verdunkelte Augenpartie frei.

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Perspektive und Tempus

Ich entschuldige much schon mal, dass meine aktuelle Geschichte „Die Stadt der Masken“ meine Schreibzeit auffrisst und das auf Kosten dieses Ratgebers geht -.- In den Ferien gibts hoffentlich ein paar Kapitel mehr 😉 In diesem Kapitel wird es zunächst um die Perspektive gehen: Wie finde ich die richtige Perspektive für meine Geschichte? Was muss ich bei den verschiedenen Perspektiven beachten? Und welche Regeln gilt es dabei einzuhalten? Dann werde ich noch kurz auf das Tempus eingehen.
Log geht’s mit dem Deutschunterricht 😛 Ich werde nach einander auf die einzelnen Perspektiven eingehen: der Ich-Erzähler, der personale, der auktoriale und der neutrale Erzähler.

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Der Dialog

So, nun kommt der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal meinen Plan umwerfe und den Punkt Szene und Kapitel überspringe. Ich denke, wir haben erstmal genug Theorie gemacht, oder? Deshalb widme ich dieses Kapitel dem Dialog.
Manche denken sich vielleicht: Dialoge schreiben ist ja voll einfach! Wir reden ja eh den ganzen Tag, das kann ich ja wohl auch aufschreiben. Aber leider ist es nicht so einfach, wie wir gleich sehen werden.

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Der Konflikt

Der Konflikt entsteht also daraus, dass die Ziele von Protagonist im Kontrast zu denen des Antagonisten stehen. Wie auch @PrivatesProblem in den Kommentaren zum letzten Kapitel angemerkt hat, muss dies nicht bedeuten, dass sie etwas Gegensätzliches wollen, sondern es kann auch heißen, dass sie sich über die Wege, ein Ziel zu erreichen, nicht einig sind. Danke für den Hinweis!
Wichtig ist allerdings, dass der Konflikt wichtig genug ist, um die Gemüter der Figuren in der Geschichte so zu fesseln, dass sie von dem Konflikt eingenommen werden und ihn unbedingt zu ihrem Gunsten lösen wollen. Sol Stein nennt als häufigste Auslöser Geld, Liebe und Macht, da dies wohl die häufigsten Sehnsüchte eines Menschen darstellen. Um den Konflikt bedeutungsvoll werden zu lassen, rät Sol Stein die Sehnsucht als Folge einer wichtigen Lebensentscheidung einzuführen, also zum Beispiel nach einer Trennung oder einem Umzug. Ich glaube, ich muss das nicht näher erläutern, in vielen Geschichten wird das ja schließlich schon umgesetzt.

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Protagonist, Antagonist und Nebenfiguren

Heute soll es nun darum gehen, wie ihr das Ganze nun in die entscheidenden Personen verpacken könnt. Generell gesprochen gibt es ja den Protagonisten (also den „Helden“), meistens auch den Antagonisten (den Gegenspieler des Helden) und diverse Nebenfiguren, die eine untergeordnete Rolle spielen. Je komplexer und je umfangreicher die Erzählung werden soll, gibt es davon natürlich dementsprechend mehr.
Ich möchte mit den Nebenfiguren beginnen, da Weiterlesen »

Der Charakter – 2

Da ich echt ein wenig überwältigt bin, wie gut das hier ankommt, und ich inzwischen meine universitären Aufgaben für diese Woche erledigt habe (ja, es ist Mittwoch und ich habe erst wieder am Dienstag Uni :P), kommt hier der zweite Teil des „Charakter“-Kapitels für euch ^.^
Ich möchte wie versprochen etwas genauer auf die psychologischen Merkmale einer Figur eingehen und beschreiben, nach welchen fünf Kriterien man diese ausgestalten kann. Mir hilft es zum Beispiel, wenn ich eine Figur ausarbeite, diese Punkte durchzugehen und einen Steckbrief  dazu anzulegen. Wenn ich sie dann später in heikle Situationen bringe, kann ich aus diesen Punkten ihre Reaktionen ableiten (besonders bei Figuren, deren Verhalten für mich nicht unbedingt intuitiv ist!).Weiterlesen »