Der Schreibstil

Guten Morgen meine Lieben, schön, dass ihr auch bei diesem Kapitel wieder am Start seid 😉 Wie schon angekündigt, soll es in diesem Teil vor allem um den Schreibstil gehen. Zuvor haben wir lange über das Schreiben gesprochen, wie ihr etwas am besten umschreibt, und letztendlich stand oft der Rat: Die Entscheidung liegt bei euch. Der Stil, wie ihr etwas beschreibt, wie ihr an eine Szene herangeht, macht eure Geschichte letztendlich zu etwas besonderem und hebt sie von anderen ab. Wie könnt ihr nun euren eigenen Stil finden?
Das, was eure Geschichten von anderen unterscheidet, sind zum einen eure Einfälle, zum anderen aber wie ihr diese umsetzt: Euer Stil. Er zeigt sich vor allem in der Wortwahl, aber auch im Satzbau, der Satzlänge und in den Entscheidungen, welche Stilmittel ihr benutzt. Ich möchte jetzt nicht auf jeden dieser Punkte einzeln eingehen, denn ich denke ihr habt damit schon viel Erfahrung gemacht, wisst unbewusst schon sehr gut, welche Wörter welche Wirkung haben. Allerdings kann es euch helfen, euch dessen bewusst zu werden. Deshalb habe ich euch folgende fünf Tipps herausgesucht, die genau darauf hinarbeiten, euren Schreibstil herauszuarbeiten.

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(7) Versunken

SHB1240 – 04.04.1265 – 14:48

Kaltes Wasser klatschte in Simons Gesicht und vertrieb mit einem Schlag alle Müdigkeit. Sein Ziel war auch eher sich aufzuwecken als gründlich zu waschen, schließlich hatte er erst gestern geduscht – mit Pam, die noch schlafend in seinem Bett lag. Mit einem Handtuch beseitigte er die restliche Nässe, nahm dann seine Maske und setzte sie sich auf. Auch wenn Pam in der letzten Nacht viel seines Gesichtes und Körpers erkundet hatte, so war es ihm doch immer noch unangenehm ohne Maske vor ihr durch die Wohnung oder das Schlafzimmer zu laufen.
Mit einem sanften Zischen fuhren die Sensoren an seine Schläfen und übten dort sowie auf der Stirn einen leichten Druck aus. Auch auf der Nase und um das Kinn legten sich halbelastische Halterungen, um den Bereich der gereinigten Atemluft hermetisch zu versiegeln.

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Archetypen und Soziogramme

Meine Lieben, heute komme ich zum letzten Kapitel im Überthema „Handlungsentwicklung“, in dem ich mich vor allem mit Archetypen und Soziogrammen beschäftigen will. Ihr habt davon vielleicht schon einmal in einem anderen Kontext gehört und fragt euch jetzt, wie ihr das für eure Geschichte verwenden könnt, aber das kommt noch, keine Angst 😉 Beginnen wir von vorne.
Was ist ein Archetyp?

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(6) Falsches Gesicht

JCK1236 – 03.04.1265 – 16:35

Der Wagen stoppte vor dem eisernen Tor und Jane stieg aus.
„Mike! Emmy!“ Ihr Stimme hallte von den Wänden des Innenhofs wider. An den weiß gekalkten Beton hatten kleine Kinderhände bunte Bilder gemalt, von Bäumen und Blumen, die sie nur aus Bilderbüchern kannten. Wie verträumt fuhr Jane die krakeligen Linien mit dem Finger nach. Farbpartikel blieben auf ihrer Haut zurück, doch sie wischte sie schnell ab.
Diese Stadt ist es eigentlich nicht wert, dass wir in ihr leben, überlegte sie und starrte auf den weißen Beton. Nirgendwo gibt es Schönheit, nirgendwo etwas Ungeplantes, nur hier, durch Kinderhand. Doch dann dachte sie an den letzten Abend, daran was Eric ihr erzählt und sie dann, ungläubig staunend in den Nachrichten gehört hatte: Ein Mensch war getötet worden, von wem wusste man noch nicht. Es geschah in der Nachbarschaft, in unmittelbarer Reichweite ihrer Kinder. Es hatte einen Großvater getroffen, der Tochter und Enkel besuchen wollte. Was, wenn dieser Mörder als nächstes auf meine Kinder trifft? Sie löste den Blick vom Beton und richtete ihn einmal mehr auf die gläserne Eingangstür der Schule. Nichts rührte sich. Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Was, wenn er sie schon getroffen hat? 

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Vier Schreibtypen

So meine Lieben, auf dieses Kapitel freue ich mich schon seit Langem, denn hier möchte ich mit euch klären, welcher Schreibtyp ihr seid und wie ihr daran arbeiten könnt, effizienter zu schreiben. Mir persönlich hat es sehr geholfen zu klären, wie ich am liebsten arbeite, und im Gegensatz dazu auch mal neue Methoden auszuprobieren.
Bei den Autoren gibt es zwei Extreme, einmal die, die alles genau durchplanen und strukturieren bevor sie schreiben, und dann die, die erst einmal losschreiben und dann im Laufe des Schreibens die Handlung ausarbeiten. Dazwischen gibt es noch zwei Abstufungen, zusammengerechnet sind das vier Schreibtypen, die ich euch im Folgenden vorstellen möchte.

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Die Heldenreise

Viele von euch werden das Prinzip der Heldenreise kennen, wenn auch nicht unter dem Namen. Ihr habt schon unzählige Filme und Bücher gesehen und gelesen, die nach diesem Prinzip geschrieben wurden, das verspreche ich euch 😉
Die Heldenreise ist eine Methode, um Geschichten zu erzählen. Sie besteht aus zwölf Schritten, die ein Held nacheinander durchläuft und die ihn letztendlich verändern. Ich werde euch nun diese zwölf Schritte vorstellen und sie anhand Star Wars IV veranschaulichen. Wer sich nicht so gut in den alten Star Wars Filmen bewandert fühlt, der kann ja versuchen die Schritte, die ich nenne, auf andere Filme zu übertragen (zum Beispiel mit Avatar funktioniert das ganz gut).
Los geht’s zur Heldenreise!

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(5) Auf der Klippe

SHB1240 – 03.04.1265 – 11:03

Simon betrat die dunkle Kühle der Eingangshalle und steuerte direkt die Aufzüge an. Auch wenn er normalerweise lieber Treppen lief, hatte er keine Lust verschwitzt zu dem Termin mit seiner Chefin zu kommen. In Aufzügen hatte er manchmal das Gefühl sie würden ihm die Luft zum Atmen nehmen, ihn einengen, genau wie seine Familie ihn einengte, seine Wohnung oder manchmal die ganze Stadt.
Die Türen schlossen sich hinter ihm, sanft surrend begann die Fahrt nach oben. Simons Hände schwitzten, er wischte sie sich an der Hose ab, doch das ungute Gefühl blieb. Er hoffte, es würde Lorrie nicht auffallen.
Bleib ganz ruhig Simon. Dieses eine Mal wirst du alles richtig machen!
Er versuchte sich irgendwie zu beruhigen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es hatte ihn einiges an Überwindung gekostet, überhaupt hier her zu kommen.
Du nimmst deine Kündigung mit aller Ruhe an und verschwindest wieder. Mehr nicht. Nicht wie das letzte Mal.

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Das Fünf-Akt-Drama

In den folgenden Kapiteln werden wir uns mit verschiedenen Handlungsentwürfen beschäftigen, zuerst heute mit dem Fünf-Akt-Drama und den Masterplots, im nächsten Kapitel mit der (very famous!) Heldenreise, danach mit der Snowflake-Methode, die euch bei der Umsetzung des ganzen helfen soll, und zu guter Letzt mit dem Soziogramm, das euch schließlich dabei hilft, den Überblick über eure Figuren zu behalten.
Nun also das Fünf-Akt-Drama.
Das ganze baut auf dem Drei-Akt-Drama auf und besteht aus Exposition, Steigerung, Höhepunkt, retardierendem Moment und dem Schluss oder der Katastrophe. Ursprünglich stammt das Konzept von Gustav Freytag, dessen Statue ich übrigens letzte Woche in Wiesbaden gesehen habe, also wer ihn sich mal anschauen will… 😛 Ihr habt das sicherlich auch wie ich zigtausend Mal im Deutschunterricht gemacht und könnt euch ungefähr was darunter vorstellen 😉 Und genau diesen Aufbau könnt ihr auch für eure Geschichten übernehmen. Ich habe damit zum Beispiel ganz am Anfang meine „Stadt der Masken“ konzipiert, einfach um einen Überblick zu bekommen, was alles in der Geschichte passieren soll und wo ich hinmöchte.

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(4) Wie in alten Zeiten

CJA1240 – 02.04.1265 – 19:23

An diesem Abend saß Clarence in seinem Wagen und dachte an die Frau, die er heute Vormittag gerettet hatte. Schon zwei, drei Mal hatten ihm andere Leute erzählt, dass er mit seinen breiten Schultern bedrohlich gewirkt hatte, dennoch war er nicht unbedingt der Typ von Mann, der jeden Tag wehrlosen Frauen beistand. Vielleicht hatte er auch deshalb von der Frau, von Jane, eine andere Reaktion erwartet.
Noch immer in Gedanken startete er das Auto und stellte sein Zuhause als Ziel ein, gleich darauf rollte der Wagen gemächlich aus dem Mitarbeiter-Parkhaus. Draußen war es schon dunkel, das war der Nachteil, wenn er es sich gönnte morgens auszuschlafen. Aber Tommy war heute Abend sowieso nicht da, also störte es niemanden, wenn er spät nach Hause kam.
In diesem Moment kündigte seine Maske einen Anruf an. Er schob die Messwert-Tabellen aus seinem Sichtfeld und nahm ab. Zu seiner Überraschung war es Simon.

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Die Rückblende

So, meine Lieben. Nachdem ich diesen wunderbar sonnigen Nachmittag in der Sonne sitzend verbracht habe, um dieses Kapitel für euch zu schreiben, ist es nun endlich da 😛 Wie im Titel schon angedeutet, soll es hier um die Rückblende gehen, die zumindest nach Sol Stein zu den drei häufigsten Problemen beim Schreiben zählt, die Wirkung eines Textes zerstören können. (Die anderen beiden wären das Aussehen einer Figur zu beschreiben und die Figur und deren Gedanken zu charakterisieren, aber das haben wir ja schon behandelt ^^).
Die Rückblende, oder: Wie erzählt man die Vorgeschichte am Besten?

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