Mein Bullet Journal

Für manche mag das jetzt vertraut klingen: Ich bin eine Notizbuch-Liebhaberin! Ich kann nur ganz selten an einem richtig schönen Exemplar im Buchladen vorbei gehen, ohne nicht wenigstens darin zu blättern, das schöne Cover zu bestaunen oder die Feinheit der Seiten. Natürlich stehen daher auch alle bekannten Verdächtigen in meinem Regal: Moleskine, Leuchtturm, Paperblanks… und noch viele, viele andere. Wenn ich dann mich mal traue, ein neues Notizbuch anzufangen (und ganz fest hoffe, dass ich es nicht auf den ersten paar Seiten gleich versaue), dann wird das natürlich für ein ganz spezielles Thema benutzt! Eins für die Uni, eins für die neue Geschichte und am besten eins, wo die ganzen Geschichten und Ideen reinkommen, die sonst nirgendwo reinpassen. Dazu hatte ich meistens noch einen Kalender, den ich aber nach ein paar Monaten vernachlässigt und vergessen habe.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich damit Schluss gemacht. Es hat mich genervt, dass ich irgendwann mit drei verschiedenen Notizbüchern in der Tasche herumgelaufen bin, weil ich ja immer auf alles vorbereitet sein wollte. Und wenn ich mal nur das eine dabei hatte, kamen mir mit Sicherheit Ideen, die ich gerne in das andere eingetragen hätte! Also habe ich angefangen, solche Ideen auf Zettel zu schreiben, die dann in der Tasche herumflogen, verloren gingen… Ihr kennt das vielleicht. Nun hat sich aber vor einem Jahr mein Leben ein wenig geändert, ich habe meine Bachelorarbeit geschrieben und im gleichen Zug auf das „Bullet Journal“ System umgestellt.

Ich werde jetzt nicht zum drölfzigsten Mal erklären, was das ist und welche Seiten man unbedingt anlegen muss und wie ein Key funktioniert (bei mir nämlich meistens nicht). Das könnt ihr auf anderen, wunderbaren Seiten nachlesen, zum Beispiel hat die liebe Brösel eine tolle Ein- und Anleitung geschrieben und auch die „offiziellen“ Seiten von bulletjournal.com sind immer wieder eine Inspiration. In diesem Beitrag soll es vielmehr darum gehen, warum mir mein Bullet Journal unersätzlich geworden ist.

Gute Gründe, sofort ein BuJo zu beginnen

Der Hauptgrund ist: In mein Bullet Journal gehört alles, was mich beschäftigt. Es ist mir super egal, ob die Seite, die ich anfange, Sinn macht, regelmäßig gepflegt wird oder in eine Kategorie passt. Wenn ich etwas aufschreiben möchte, schreibe ich es auf. Und dabei achte ich nicht darauf, ob der Eintrag davor womöglich noch zwei Seiten länger werden könnte. Es wird einfach eine Seite nach der anderen beschrieben, mein Farbschema hilft mir dann später dabei, die Seiten zuzuordnen.

Ein Grund, der daraus folgt: In meinem Bullet Journal ist alles, was mir wichtig ist. Das bedeutet auch, nie irgendwo zu sein und zu denken „Ach Mist, jetzt hab ich die Liste/die Idee/den Geschichtenanfang nicht dabei“. Egal ob ich in der Bahn sitze, eine Vorlesung ausfällt oder ich bei einem Kaffee ein wenig Zeit habe: Ich kann in meinem Notizbuch zum Beispiel die Notizen zum letzten Seminar durchgehen, nachschauen, ob ich alle Texte für diese Woche vorbereitet habe, neue Handlungsentwürfe für meine Geschichten planen, einfach das, worauf ich gerade Lust habe.

Außerdem: Ich habe jetzt den perfekten Kalender, weil es MEIN Kalender ist. Vorher habe ich wirklich viele Kalender ausprobiert, aber entweder haben die Notizen (zum Beispiel zu Uni-Seminaren) nie wirklich reingepasst, oder aber ich hatte zu viel Platz (zum Beispiel bei doppelseitigen Wochenübersichten). Was ich brauchte, war ein Kalender… der genau so viele Seiten zwischen den Wochenblättern hat, wie ich sie gerade brauche. Und tadaa! Genau das macht mein Bullet Journal für mich. Es gibt Wochen, da habe ich einfach nicht viel (Neues) im Kopf, da benutze ich dann bereits bestehende Seiten, fülle aus, füge hinzu. Es gibt aber auch Wochen (wie gerade jetzt zum Semesterbeginn), da stürmt so viel auf mich ein, dass ich locker ein paar Doppelseiten in der Woche voll mache. Aber letztendlich ist es egal, denn ich habe Platz so viel ich brauche!

Ich dachte vorher: Naja, so ein Buch, das reicht bestimmt nur für ein paar Monate! Doch dadurch, dass ich jetzt alles gesammelt in einem Notizbuch habe und nicht mehr aufgeteilt in mehrere, halb ausgefüllte, nutze ich die Seiten, die ich beschreibe, effektiver. Hatte ich zuvor drei angefangene Notizbücher, habe ich jetzt eins, das gute Chancen hat, sogar voll zu werden (was mir vorher, ich bin ehrlich, noch nie passiert ist). Mein erstes Bullet Journal hat 6 Monate gehalten, mein aktuelles sogar 9 Monate, und dass, obwohl ich sogar meine Vorlesungsmitschriften darin mache (es also exzessiv genutzt wird).

Eine klitzekleine Kehrseite

Das einzige, was mich am Bullet Journaling ein wenig „stört“ (und stören ist dafür schon sein sehr starkes Wort), ist die Tatsache, dass alle nur ihre perfekt gestylten, wunderhübsch gemalten Seiten im Internet zeigen und so vielen den Einstieg erschweren, die das System gerne mal ausprobieren würden, aber nach den ersten eigenen Seiten enttäuscht sind. Denn sein wir mal ehrlich: Nicht jeder ist ein Künstler, nicht jeder hat die Zeit, nicht jeder hat die Geduld zwanzig mal einen Schriftzug zu üben, und das ist auch völlig okay (und eigentlich ja auch der Grundgedanke eines BuJos, zumindest für mich). Deshalb kommen hier mal ein paar Beispiele, wie ich angefangen habe, um zu zeigen, dass es einem auch super egal sein kann, wie die Seiten aussehen, wenn man sich denn nur mal darauf einlässt. Tatsächlich war das sogar die Hauptmotivation, warum ich diesen Blogbeitrag schreiben wollte, denn ich finde, als Anfänger wird man von den wunderbaren Zeichnungen und Letterings zwar angezogen, aber auch ziemlich eingeschüchtert, vor allem wenn man es dann selbst nicht sofort auf die Reihe bekommt!

Eine kurze Notiz: Ich bewundere jeden, der das Talent und/oder die Geduld hat, jede Seite zu einem Kunstwerk zu machen, ich finde das super und schaue mir auch gerne diese Seiten auf Instagram an und lasse mich inspirieren. Aber mein BuJo ist mein Arbeitsplatz und daher allein per Definition nicht „perfekt“ und „hübsch“.

Eine kleine Galerie

Ihr seht hier: Meine allererste BuJo-Seite in meinem allerersten Leuchtturm (natürlich mit Punkten, weil das ja jeder so macht :P) mit Finelinern und Filzstiften aus dem alten Schul-Mäppchen. Ja, ich wollte coole „Handlettering“-Überschriften, und ja, es hat nicht funktioniert. Und ja, ich habe mitlerweile verstanden, dass ich diese Art von „Future Log“ überhaupt nicht brauche. Es kostet mich nur Zeit es zu malen und ich schaue so gut wie nie rein. Wie ich es inzwischen mache, seht ihr weiter unten.

Und das war die erste Seite mit Inhalt. Ich habe zuerst, wie alle es machen, mit Fineliner begonnen, aber ziemlich schnell festgestellt, dass ich im Alltag eigentlich nie Fineliner benutze, warum also sollte ich das extra für mein BuJo anfangen? Also bin ich auf normalen Kugelschreiber umgestiegen. Das führte allerdings dazu, dass das erste viertel dieses Notizbuchs zweifarbig geschrieben ist -.- Und ihr seht auch, dass meine Stärken eindeutig nicht im Überschriften Malen stecken. Die Filzstifte habe ich auch relativ schnell weggelassen und das Ergebnis, so minimalistisch es jetzt auch ist, gefällt mir besser als all das, was ich zustande gebracht habe, als ich versucht habe, andere zu imitieren.

Mein zweites BuJo ist komplett im Stil „Kugelschreiber, Bleistift & Textmarker“ gehalten, einfach weil das die Utensilien sind, die ich sowieso immer im Rucksack dabei habe. Ganz links in der Galerie steht ihr meinen aktuellen Wochenplan: schlicht, übersichtlich und in weniger als 5 Minuten erstellbar. Und ja, er sieht jede Woche gleich aus! Je nachdem ob ich gerade im Semester bin, mehr lese oder mehr arbeite, werden nur die jeweiligen Feldgrößen justiert. Zusätzlich lege ich für jede Vorlesung eine Seite mit den Informationen an, wann welche Abgaben fällig sind, welche Literatur ich noch suchen muss, wie und wann die Klausuren anstehen (so wird man nie mehr überrascht á la „WAAS die Abgabe ist schon nächste Woche?!“). Das zweite Bild von links zeigt wie eine Seite aussieht, wenn ich versuche künstlerisch ambitioniert zu sein. Letztendlich hat es was von Grundschulzeichnungen, das ist mir aber egal, denn es ist wichtig für mich während ich schreibe, dass ich mir ein möglichst plastisches Bild von Charakteren und Umgebung machen kann. So wie im dritten und vierten Bild von links sehen wohl die meisten Seiten aus: Gedanken, Infos, Dinge, die ich festhalten will, damit ich sie nicht „vergesse“. Unimitschriften, Notizen, die ich mache, während ich Fachbücher lese, Traumschnipsel, Geschichtenanfänge. Gerne wild und mit Bleistift, so wie es sich am besten anfühlt.

Mein BuJo-„Setup“ für 2018 und das kommende Semester

Die wohl wichtigste Seite in meinem Bullet Journal: mein Semester-Plan. Jetzt ist er noch leer, aber bald wimmelt er wohl von Abgabe-Terminen, Deadlines, Meetings, Klausuren. Hier habe ich genau im Blick, wie viel Zeit ich noch bis zu den Ereignissen habe, ohne mich auf ein „Future-Log“ oder ein „Monthly-Log“ zu beschränken. Unten seht ihr nun noch die restlichen Seiten, die ich für mein neues BuJo angelegt habe. Beim Übergang in ein neues BuJo reflektiere ich, welche Seiten ich oft benutzt habe, die werden übernommen. Alles andere fliegt raus, so bleibt der Anfang immer schön schlank 🙂 Vielleicht habt ihr es auch schon gemerkt: Ich benutze weder den Index, noch einen bestimmten Key. ToDos und Termine sind Kreise, die ich abkreuzen kann, wenn sie wegfallen. Verschiedene Symbole sind mir zu kompliziert und dauern mir zu lange, wenn ich mir schnell etwas notieren will. Stempel gingen theoretisch auch, aber dann muss ich die ja immer mit herum tragen. Außerdem führe ich (so gut wie) keine Tracker. Ich habe festgestellt, dass sie zwar nützlich sind und am Anfang viel Spaß machen, aber irgendwann vergesse ich es den Tracker auszufüllen und er wird mehr und mehr zur Belastung. Ich habe mich daher gegen einen „großen“ Tracker entschieden und halte einfach das fest, was mich gerade und aktuell beschäftigt.

Und: Ja, ich benutze wieder einen Stift mit schwarzer Tinte. Aber auch nur, weil ich mir im letzten Semester einen neuen Füller geleistet habe, der jetzt vielleicht meine Kugelschreiber ersetzt. Mal schauen, wie lange er sich durchsetzen kann, vielleicht steige ich ja auch wieder um. Aber letztendlich ist das ja auch egal, denn es kommt nur darauf an, was für mich persönlich am besten funktioniert. Und das solltet ihr euch auch zu Herzen nehmen: Es geht ganz allein um euch und eure Bedürfnisse, wenn ihr ein BuJo beginnt! 🙂

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