(Review) Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers

30981397Bevor ich das Buch letztendlich gekauft habe, stand ich mehrmals vor dem Regal in der Buchhandlung und überlegte, was der Kommentar unter dem Klappentext meint:

Becky Chambers hat mit ›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ eine zutiefst optimistische Space Opera geschrieben, die uns den Glauben an die Science Fiction (im Besonderen) und an die Menschheit (im Allgemeinen) zurückgibt.

Auch im Internet habe ich Kommentare gelesen, die dieses Buch als „Wohlfühl-SciFi“ beschreiben. Bei all diesen Begriffen konnte ich mir irgendwie kein Bild davon machen, wie sich das Buch beim Lesen anfühlen würde. Jetzt, da ich es beendet habe, kann ich alles nur unterschreiben.

Klappentext

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

Becky Chambers erfindet in ihrer „Space Opera“ den Weltraum nicht neu: Es gibt viele vertraute Elemente, wie Hologramme, Luftschleusen oder die Galaktische Union, die viele verschiedene Spezies friedlich unter einer Verwaltungsherrschaft vereint. Doch im Gegensatz zu anderen SciFi-Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, liegt der Fokus nicht auf diplomatischen Beziehungen, nicht auf Machtkämpfen innerhalb von Galaxien, sondern auf den Einzelschicksalen an Bord der Wayfarer, die sich ihren Weg durch den Weltraum gräbt. Dabei beschreibt Chambers die Charaktere und ihre Völker mit einer solchen Detailverliebtheit, dass ich nicht selten dachte: Wow, daran hätte ich im Leben nicht gedacht. Dazu zählen zum Beispiel das Sozialverhalten der verschiedenen Spezies oder die äußerst unterschiedlichen Bedürfnisse beim Zusammenleben auf engem Raum (zum Beispiel eigene Stühle für jede Art).

Allerdings scheint diese Detailverliebtheit auf Kosten der Handlungsentwicklung zu gehen: Wie der Titel schon verrät, ist es eine sehr, sehr lange Reise mit vielen Zwischenstopps und Verwicklungen bis zum kleinen, zornigen Planeten. Gegen Ende war ich schon am Zweifeln, ob sie denn den Planeten überhaupt noch erreichen. Die Besatzung wird unterwegs vielen Prüfungen ausgesetzt, doch ich hatte den Eindruck, dass die Autorin ihre Charaktere zu sehr mag, um ihnen wirkliche Schäden zuzufügen. Aus den brenzligen Situationen kommen sie meiner Meinung nach viel zu schnell wieder heraus. Das ist dann die andere Seite der „Wohlfühl-SciFi“: Der Leser muss sich nicht allzu viele Sorgen um das Wohlergehen der liebgewonnenen Charaktere machen.

Bei all den Gedanken rund um verschiedene Spezies, Galaxien, Völker, Kulturen, bleibt das Gefühl zurück, dass die Hoffnung für die Menschen doch noch nicht verloren zu sein scheint. Im Weltraum von Becky Chambers ist unsere Spezies von einer gefallenen zu einer prosperierenden geworden, die von anderen Spezies zwar manchmal wegen ihren Eigenheiten (Gefühle, Hormone, weiche verletzliche Haut) aufgezogen, aber gleichzeitig auch geschätzt wird. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, der zwar in der selben Umgebung spielen soll, aber andere Charaktere in den Mittelpunkt rückt.

Bis demnächst, Luana =)

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