(Review) Der Wüstenplanet von Frank Herbert

Seit meiner Kindheit übt diese Geschichte eine gewisse Anziehungskraft aus. Mein Vater hat mindestens einmal im Jahr die DVD heraus geholt, die Lautstärke der Stereoanlage auf Maximum gestellt und so die Würmer in unser Wohnzimmer gelockt. DUNE – wie der Film im Original heißt – klang für mich immer nach einem Meisterwerk von Film- und Erzähltechnik.

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Dachbodenfund: Der Wüstenplanet 1-5

Vor einigen Monaten habe ich dann auf dem Dachboden alle 5 Teile des Wüstenplanets gefunden und ich hatte mich schon auf das Lesen gefreut, doch aus irgendeinem Grund (*böse zu meinen Eltern rüberschiel*) fehlen im ersten Band 80 Seiten :0 Deshalb war es Zeit für meine eigene Ausgabe.

Arrakis – der Wüstenplanet – ist von Außen betrachtet ein ziemlich trostloser Ort. Nahezu vollständig von Sand bedeckt, von riesigen gefräßigen Würmern bewohnt und somit nicht unbedingt der lebensfreundlichste Ort, wird er für Herzog Leto Atreides und seiner Familie und dem herzoglichen Haus zur neuen ungewöhnlichen Heimat. Einzig das Gewürz Melange macht den Planeten interessant, denn es erweitert die Sinne und wer einmal von dieser Droge gekostet hat, wird nicht mehr ohne sie leben können. Auf dem Planeten sind außerdem große Verschwörungen durch die Harkonnen, die Erzfeinde der Atreides, im Gange, die den Sturz des Hauses der Atreides planen, und letztendlich damit Erfolg zu haben scheinen.

dune_tribute_by_jamga-d34c20hSein Sohn Paul – ausgebildet in unzähligen Kampfkünsten und der schnellen Auffassungsgabe der Bene Gesserit – ist zunächst verunsichert durch den Umzug und die vielen Gefahren, die auf dem neuen Planeten lauern, interessiert sich allerdings immer mehr für den Planeten selbst und seine Ureinwohner, die Fremen, die es irgendwie geschafft haben, im Sand zu überleben.

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Die komplett blau verfärbten Augen kennzeichnen die Fremen, sie entstehen durch den häufigen Kontakt mit dem Gewürz.

Die einzelnen Handlungsstränge und Kausalketten anzureißen, wäre jetzt hier viel zu viel. Am Anfang habe ich gedacht, dass sich diese über 700 Seiten stellenweise wohl etwas ziehen werden, doch ich wurde überrascht. Jede beschriebene Handlung ist spannend und wichtig, kein Wort, das gesprochen wird, ist zu viel. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, jeder hat gute und schlechte Seiten und Frank Herbert schafft es sogar, dass man den (meisten) Bösewichten verzeihen kann, dass sie gegen die Atreides arbeiten.

Für mich als (Hobby-)Schriftstellerin war außerdem interessant, wie Frank Herbert Pauls Weitsicht in die Zukunft beschreibt. Paul sieht die Zeit wie eine Wüste, wie ein Knoten, wie ein Meer mit verschiedenen Wellen, er sieht eine Zukunft, die nur eintritt, wenn ein Wort anders gesprochen wird, und er versucht herauszufinden, welche Ursachen zu welchen Resultaten führen. Gegen Ende, wenn seine Gaben stärker werden, ist er an mehreren Orten gleichzeitig. Dass der Leser dort nicht den Überblick verliert, ist wirklich klasse gemacht.

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Die Fremen bändigen die riesigen Wüsten-Würmer

Beeindruckt hat mich auch der Einfluss von Tradition und Religion. Ich möchte nur zwei Beispiele nennen: die Fremen und die Bene Gesserit. Die Fremen haben sich komplett an das Leben in der Wüste angepasst, sie recyclen fast jedes Wasser und leben autark in den Höhlen tief in der Wüste. Sie haben es sogar geschafft, die großen Würmer für ihre Ziele einzuspannen und zu reiten. Das Wasser ist ihnen heilig und Geld nichts wert, denn was bringt noch so viel Geld, wenn man sich kein Wasser kaufen kann, weil einfach keines da ist? Frank Herbert hat dem Kult der Fremen einige Begriffe aus dem Islam und dem Orient gegeben, wie Dschihad, Haddsch oder Baklawa, lange bevor diese Themen bei uns aktuelle Relevanz bekamen.

Die Bene Gesserit sind eine Gilde von Frauen, die stark ausgeprägte geistige Fähigkeiten haben. Sie können einen Teil in der Zukunft und weit in die Vergangenheit ihrer Kolleginen sehen, sind darauf trainiert Mimik und Gestik zu lesen, Menschen zu manipulieren und Macht zu konzentrieren. Das Ziel der Gilde ist es, durch gezielte Verkupplung das Genmaterial des Propheten zu finden, des einzigen Mannes, der die Fähigkeiten der Bene Gesserit ausüben kann. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Weitsichtigkeit dieser Gilde: Vor Jahrhunderten schickten sie auf viele Planeten Ableger der Bene Gesserit. Diese verbreiteten (auch auf Arrakis) den Glauben, das einmal ein Junge kommen werde, der durch seine Fähigkeiten das Volk auf dem Planeten retten werde. Dieser Glauben rettet Paul und seiner Mutter das Leben, als sie auf der Flucht vor den Harkonnen sind. Ob Paul wirklich dieser Eine sein könnte, wird sich später herausstellen.

Puh, jetzt habe ich viel geschrieben und doch gar nichts erzählt. Die Handlung lässt sich wirklich schwierig zusammenfassen, ich kann euch nur empfehlen, das Buch einmal selbst zu lesen. Vielleicht seht ihr an diesem Artikel, wie sehr mich die Geschichte fasziniert und begeistert hat. Und wer sich das dicke Buch nicht antun will, der kann ja auch mal in den Film reinschauen 😉

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