Kopf leicht, Kopf schwer

Die Arbeit an meinen Geschichten vergleiche ich oft mit einem Tauchgang. Der Anfang ist leicht, ich springe ins Wasser, fühle mich lebendig mit meinen neuen Figuren, tauche ein, alles ist ganz einfach.

Auch das tiefer Tauchen geht leicht von der Hand. Ich möchte mehr über meine Figuren erfahren, genieße die Umgebung, die Stimmung, das Gefühl auf die Unterwasserlandschaft von oben draufschauen zu können, alles im Blick zu haben, ohne mich um die Details kümmern zu müssen. Mein Kopf ist in solchen Momenten so schwer vor Ideen, dass das Absinken ganz schnell geht und ich mich in meinen Geschichten realer fühle als in der Realität.

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Manchmal tauche ich beim Schreiben in eine Geschichte wie in ein versunkenes Schiffswrack…

Bin ich nun am Ziel des Tauchgangs angelangt, einem Wrack, einem Riff oder einer Felsformation, ändert sich das Gefühl des Schreibens. Von nun an macht es mir Mühe, jeden Winkel abzusuchen, die Details heraus zu kramen, sodass ich oft das Große und Ganze vergesse.

Aber irgendwann habe ich auch das geschafft. Nun fehlt nur noch das Ende, die Lösung, der Aufstieg zurück an die Oberfläche, nicht ohne Grund der schwierigste Teil des Tauchgangs. Ich muss langsam vorgehen, mir genau überlegen, was ich tue, was meine Charaktere tun. Am liebsten würde ich einfach einen Strich darunter setzen und schnellst möglich auftauchen, doch so ein Ende schadet der Geschichte und meiner Gesundheit. Also beiße ich mich durch oder auch nicht, tauche irgendwann auf – oder bleibe unterwegs hängen. Viele meiner Geschichten finden kein Ende.

Sitze ich dann aber (wie jetzt) wieder oben im Boot, die Erinnerung an den Tauchgang noch frisch und lebendig, ist mein Kopf plötzlich leer. Ich kann dann ins Wasser schauen und sehe zwar hier und da ein paar Fische oder mein Spiegelbild auf dem Wasser, mehr jedoch nicht. Ich sehe nicht die Tiefe, sehe nicht das Wrack, das dort unten liegt, sehe nicht die Fäden, die meine neuen kleinen Ideen zu einer Geschichte verknüpfen könnten. Dafür muss ich erst wieder warten, bis mein Kopf schwer genug ist, um einen weiteren Tauchgang zu planen.

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