(Review) The Picture of Dorian Gray by Oscar Wilde

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Ich glaube, nahezu jeder kennt die Geschichte in der ein oder anderen Form: Ein Mann verliebt sich in sein Portait, woraufhin nicht mehr er altert, sondern das Bild. Mehr wusste ich von der Geschichte allerdings auch nicht, als ich sie vor ein paar Tagen begonnen habe zu lesen.

Eigentlich geht es um die drei Männer Dorian Gray, Lord Henry Wotton und Basil Hallward – und ihre Beziehungen zueinander.

Denn aus diesem Dreieck entwickelt sich die ganze Geschichte, jegliche Tragik und letztendlich auch der Schluss.

Basil hat Dorian zuerst kennen gelernt und macht ihn zu seiner Muse. Mit Dorians Gegenwart, so sagt er, sieht er die Dinge in einem ganz anderen Licht. Daraufhin malt er auch ein Porträt von Dorian, dass später öfter als eines seiner besten Bilder bezeichnet wird.

Im Atelier trifft Dorian schließlich auf Lord Henry, den ich als Philosophen bezeichnen würde.

„I make a great difference between people. I choose my friends for their good looks, my acquaintance for their good characters, and my enemies for their good intellects.“ S. 15f.

Auf jede noch so alltägliche Frage hat er eine tiefschürfende und ausführliche Antwort bereit, die die Gesprächsteilnehmer nicht selten überhaupt nicht verstehen. Es sind nicht immer schöne Gedanken, die er hegt, oft sagt er das Gegenteil von dem, was ich eigentlich erwartet hatte. Deshalb schreiben ihm seine Freunde einen gewissen Einfluss über andere zu, und dass er sie mit seinen Worten lenkt. Wenn ihn allerdings jemand nachträglich fragt, was er denn am jenem oder diesem Abend gesagt oder mit dem Gesagten gemeint hätte, antwortet er oft „Was habe ich den gesagt? Ich weiß es gar nicht mehr.“ und entzieht sich so der Verantwortung, zu seinen Worten zu stehen.

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Henry spricht mit Dorian über die Jugend und die Schönheit – und weckt damit in Dorian den Wunsch niemals zu altern.

Sein Wunsch wird erfüllt, statt ihm altert nun das Portrait, das Basil von ihm gemalt hat. Nicht mehr in der Gefahr von seinen Erfahrungen gezeichnet zu werden, stürzt sich Dorian ins Leben, gewinnt neue Freunde, macht sich aber auch Feinde. Gerade über diesen Teil hätte ich gerne mehr gelesen, denn später wird über Dorians Sünden und Verfehlungen spekuliert und geurteilt. Vielleicht hat sich der Autor aber auch bewusst nicht festgelegt, um dem Leser die Chance zu geben, sich selbst ein Urteil von Dorians Lebensstil zu bilden.

Eine schöne Stelle ist mir beim Lesen noch aufgefallen und später im Buch wird noch häufig darauf hingewiesen:

„Dorian Gray has been poisoned by a book.“ S. 146.

Leider konnte ich nicht ganz nachvollziehen, welchen Einfluss genau dieses Buch auf Dorians Entscheidungen hatte (vielleicht sich mehr mit verschiedenen Kulturen auseinanderzusetzen?), genauso wie ich manche philosophischen Stellen nicht ganz verstanden habe. Auf jeden Fall muss ich das Buch noch einmal auf Deutsch lesen, um die anderen Ebenen dahinter sich zu verstehen.

Mein Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch, auch wenn ich mit anderen Erwartungen begonnen habe zu lesen. Ich dachte, Dorian überlebt seine Freunde vielleicht und eines Tages wird sein Geheimnis entdeckt. Ich war auch überrascht von Lord Henry, der für mich eigentlich den interessantesten Charakter darstellt. Es hätte mich sehr interessiert, was er von Dorians Entwicklung hielt, da Dorian doch zu Beginn das Objekt seiner Studien war.
Auf jeden Fall gefällt mir der Ansatz, dass Kunst (Malerei sowie Literatur) einen solchen Einfluss auf das Leben eines Menschen haben konnte. Auch wenn es in beiden Fällen wohl kein guter Einfluss war.

Dieses Buch habe ich im April im Rahmen der Aktion “Das Jahr des Taschenbuchs 2016” gekauft und gelesen. Den Artikel dazu findet ihr hier und Informationen zur Aktion hier.

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Beschreibung von Goodreads:

Written in his distinctively dazzling manner, Oscar Wilde’s story of a fashionable young man who sells his soul for eternal youth and beauty is the author’s most popular work. The tale of Dorian Gray’s moral disintegration caused a scandal when it first appeared in 1890, but though Wilde was attacked for the novel’s corrupting influence, he responded that there is, in fact, “a terrible moral in Dorian Gray.” Just a few years later, the book and the aesthetic/moral dilemma it presented became issues in the trials occasioned by Wilde’s homosexual liaisons, which resulted in his imprisonment. Of Dorian Gray’s relationship to autobiography, Wilde noted in a letter, “Basil Hallward is what I think I am: Lord Henry what the world thinks me: Dorian what I would like to be—in other ages, perhaps.”

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