Book-Work-Out

Um etwas gleich am Anfang richtig zu stellen:

Ich mache gern Sport! Ich schalte gern meinen Kopf für ein, zwei Stunden aus und befehle meinem Körper, einfach zu funktionieren. Ich wüsste auch nicht, was ich in manchen Situationen ohne mein Team machen würde, das meistens meine schlimmsten Launen abbekommt.

Aber das meiste Gerede, das mit Sport zu tun hat, geht mir inzwischen mächtig auf den Geist!

„Ich komme gerade aus dem Fitnessstudio, ach war das wieder anstrengend heute.“„Ich bin ja morgen beim Power-Zumba.“
„Mindestens 3 Mal die Woche muss ich schon hin, sonst merk ich das gleich wieder an der Taille!“
„Hast du deinen Sohn denn auch schon zum Kinderyoga angemeldet?“

Manchmal wünsche ich mir, die Menschen würden einfach zum Sport gehen und wären danach so kaputt, dass sie gar nicht mehr darüber sprechen wollen.

Oder sie würden ab und zu mal ein Book-Work-Out einschieben.

Ich stelle mir das ungefähr so vor:
„Wenn ich nicht mindestens drei Bücher in der Woche lese, bekomme ich gleich einen Wörtermangel. Dabei sind Wörter doch so wichtig für einen gesunden Körper.“
„Oh, Dienstag Abend kann ich nicht, da treff ich mich mit meinen Mädels zum Speed-Reading. Sorry!“
„Beim letzten Training konnte ich wieder die Silbenzahl erhöhen! Jetzt schaff ich bestimmt mehr als du in der Minute!“
„Nach jeder üppigen Mahlzeit MUSS ich fünf Seiten lesen, sonst fühle ich mich gleich schuldig…“
„Mein Trainer hat mir letzte Woche eine neue Book-Work-Out Übung gezeigt, die musst du unbedingt ausprobieren!“

Man könnte überall in den Städten Gebäude bauen, in denen es nur Bücher gibt und wo sich Leute treffen, um zu lesen und sich auszutauschen, und man würde sie Bibliotheken nennen… Aber halt. Das führt zu weit. Bleiben wir realistisch.

Geben wir dem Buch mehr Platz in unserem Leben.

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8 Kommentare zu “Book-Work-Out”

  1. 1) Bücher reißen keine Frauen auf. (Kann ich persönlich bestätigen)

    2) Was du beschreibst hat eher wenig mit Sport zu tun, no? Es geht hier doch viel mehr um Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit.
    Denn A) ist absolut nichts dagegen einzuwenden, dass es eine bewusste Sportkultur gibt, vielmehr sollte doch das Bewusstsein für den eigenen Körper und Gesundheit noch weiter gestärkt werden. B) Hätte ich genauso wenig Bock darauf, dass Leute sich zum „Speedlesen“ treffen und sich öffentlich damit profilieren.

    „Dabei sind Wörter doch so wichtig für einen gesunden Körper!“ (Twitter)
    Dem würde ich widersprechen. Wäre strikt zu wählen zwischen Lesen und Sport, wäre Sport (also die körperliche Aktivität) zu bevorzugen. So wie vor der Moral das Fressen kommt.

    1. Es geht aber nicht darum „strikt zu wählen“, sondern ein Gleichgewicht zu finden… Deshalb finde ich es eben seltsam, dass Leute Unmengen für Sportstudio, Eiweißshakes und sonstiges ausgeben, aber nicht 20€ für ein Buch “ verschwenden“ wollen. Ich sage ja gar nicht, dass Sport schlecht ist! Ich gehe ja selbst ins Fitnessstudio. Aber (wie so oft) träume ich von einer besseren Welt und stelle mir vor, wie die aussehen könnte.
      Jeder kann und darf selbst Schwerpunkte in seinem Leben setzen. Während aber Sport und Körperkultur gesellschaftlich anerkannt und gefördert werden, gilt das für andere Hobbys oft nicht! Wenn man viel liest, wird man oft genug als „Nerd“ abgestempelt. Aber darum geht es mir hier ja auch gar nicht 😀 Ich möchte nicht die eine Freizeitbeschäftigung gegen die andere ausspielen, sondern nur darauf hinweisen, dass manche Menschen die Vielfalt dieser Aktivitäten manchmal aus den Augen verlieren zu scheinen…

      1. Naja deswegen sehe ich deinen Punkt nicht.
        Wen kritisierst du? Das „Gerede, das mit Sport zu tun hat“, welches du ansprichst ist doch lediglich, Selbstinszenierung einer Minderheit. (Der eigene Freundes-/Bekanntenkreis, Facebook Kommentare)
        Es lässt sich auch kaum von einer Ungleichgewicht zwischen Sport und Buch reden. Dafür gibt es zu viele Bücher/Autoren – es gibt also sehr viele Leute die „20€ für ein Buch ‚verschwenden'“ – und sowohl die Bibliothek, als auch das Fitnesscenter gehören zum Bild einer jeden Stadt. Und da haben wir noch nicht am Potential von Internet und E-Reader gekrazt.

        Vielmehr ist Lesen doch z.B. ein Schichten Problem (Anzahl Bücher im Haushalt korreliert mit dem Schulerfolg des Kindes) und Spaß am Lesen wird unzureichend in der Schule vermittelt. (+ Schüler lernen schlecht sinnerfassendes Lesen) Sport/Workout macht/will jeder, weil gutes Aussehen immer zieht.
        Wenn du einige wenige zu mehr Lesen anregen willst, dann solltest du doch mit diesen Leuten reden? In deinem Post schmeißt du die gesellschaftliche Ebene (Biblios bauen Madness!) mit der persönlichen (Gerede der Leute) zusammen und ich weiß nicht genau worauf du hinaus willst.
        Denn die bessere Welt von der du träumst existiert schon? Stichwort Bibliotheken, ansonsten gibt es nichts was ich aus dem Post lesen könnte, der ein Hinweis auf eine besser Welt wäre.

      2. Ja, wahrscheinlich hast du recht und es liegt vor allem an meiner Perspektive und an meinem Bekanntenkreis. Immer, wenn ich tolle Aktionen rund um das Buch sehe (aktuell z.B. wieder zur Leipziger Buchmesse), scheint alles viel zu weit weg von mir. Deshalb denke ich auch, dass es durchaus noch Potential für eine „bessere Welt“ für Bücher gäbe…
        Letztendlich fand ich wohl einfach den Gedanken witzig, den aktuellen Gesundheitswahn auf das Lesen umzumünzen 😉 ohne jeglichen Hintergedanken daran, gleich die ganze Welt verändern zu wollen (vor allem weil den Blog wahrscheinlich sowieso nur Leute lesen, die gerne lesen :D)

  2. Netter Gedankengang. Ich komme gerade aus der Bibliothek zurück und habe meinen SuB auf nun ganze sieben Bücher erweitert, wobei da bis Ostern auch noch zwei, drei Bücher dazu kommen.
    Habe mir jetzt jedenfalls das Ziel gesetzt, bis Ostern 5000 Seiten zu lesen. Das sind also knapp 185 Seiten am Tag, das ist zu schaffen. Allein schon der hohe Stapel neben dem Wecker sollte Motivation genug sein, für den Fall, dass es nicht reicht, erzähle ich es jetzt allen Leuten. Ich gebe den Büchern mehr Platz in meinem Leben.

    1. Das ist ja mal ein ambitioniertes Ziel! 🙂 Aber auch hier ist es genau wie beim „echten“ Sport: mit der Übung kommt die Ausdauer ^.^
      Halt mich auf dem Laufenden, wie dir die Bücher von deinem SuB gefallen! 📚

      1. Wenn du auf den Knopf (auf dem irgendwas mit Abo oder so steht) drückst, siehst du sofort neue Beiträge. :p
        Neue Reviews inklusive.

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