Der erste Eindruck

Guten Abend meine Lieben, ich hoffe ihr habt die letzte Woche gut verbracht. Ich bin auch mehr oder weniger erholt wieder am Start und freue mich schon auf die kommenden Kapitel. In diesem Kapitel soll es, wie von einigen gewünscht, um Titel und Klappentext gehen, außerdem habe ich mal noch was zu Kapiteltiteln eingeplant, mal schauen wo ich das einbauen kann.

Ich habe dieses Kapitel „Der erste Eindruck“ genannt, denn genau wie Kleidung, Makeup oder die Frisur bei uns Menschen, so sind es (neben dem Cover) auch Titel und Klappentext eines Buches, die das Interesse wecken und eine erste Idee vom Inhalt geben. Und genau wie bei den Menschen geht es (meiner Meinung nach) nicht darum, perfekt oder so wie alle anderen zu wirken, sondern herauszustechen, individuell zu sein und die Besonderheiten zu zeigen. Oftmals ist es die Narbe oder das etwas schiefe Lächerln, das einen Menschen wunderschön macht.

Abgesehen davon geht es nun zunächst mal um den Titel. Ich finde es super schwer, euch hier Hilfestellungen und Tipps zu geben, da jeder mit dem Titel seiner Geschichte irgendwie etwas persönliches verbindet. Natürlich sollte der Titel irgendwie Neugierde wecken und er irgendwie auch zur Geschichte passen. Vielleicht unterscheidet ihr auch schon zwischen Arbeitstitel und „offiziellem“ Titel. So ist zum Beispiel meine Geschichte „Der Tanz des Todes“ bis zur Fertigstellung unter dem Titel „BlackOcean“ gelaufen, da aber niemand weiß, was ich damit sagen will, habe ich ihn schließlich geändert. Nur so als Beispiel ^^

Wenn ihr eure Geschichte allerdings einem Verlag anbieten und sie dort auch veröffentlichen wollt, solltet ihr euch mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Verlag den Titel nach Belieben ändert. So habe ich es zumindest aus mehreren Quellen gehört. Meine Dozentin hat beispielsweise erzählt, dass sie sowohl beim Titel als auch beim Cover keinerlei Mitspracherecht hatte, sie konnte vielleicht Wünsche oder Anmerkungen vorbringen, aber der Verlag hatte entschieden, ob die auch berücksichtigt werden sollten. Ich glaube aber, dass da jeder Verlag anders aufgelegt ist, wie viele Freiheiten er uns Autoren lässt.

Passend zum Geschichtentitel habe ich mich auch mit den Kapiteltiteln beschäftigt. Ich war schon immer fasziniert, wenn Autoren zu jedem Kapitel die passende Überschrift finden konnten. Dieser Frage bin ich bislang aus dem Weg gegangen und habe sie mit dem üblichen „1. Kapitel, 2. Kapitel, 3. Kapitel, …“ beantwortet (wie man bei Neuland sieht). Ich finde allerdings, dass es dem Kapitel noch einmal eine ganz andere Tiefe gibt, wenn der Leser durch die Überschrift schon eine Ahnung bekommt, was gleich in dem Kapitel passieren könnte. Ein super Beispiel dafür ist die Geschichte „Last Chance“ von Ma_Brt. Sie nimmt aus ihrem Kapitel immer einen Satz und stellt ihn vor das Kapitel, sodass man unweigerlich überlegt: Wer könnte das in welcher Situation sagen? Wie in aller Welt kommt es dazu? Es hebt die Spannung der Geschichte ungemein und ich frage mich wirklich, ob du in deinen Kapitel extra solche Sätze einbaust, nur um sie als Überschrift zu verwenden :PBei der Stadt der Masken habe ich mich auch einmal an die Kapiteltitel gewagt und bin leider immer noch am Herumprobieren.

Weitere Möglichkeiten Kapitel zu bennen, sind die folgenden:

– ein Satz, wie eben angesprochen

– Datum und Ort, wenn es wie ein Tagebuch erscheinen soll

– ein Sprichwort oder eine bekannte Redewendung, die zu dem Inhalt des Kapitels passen

– oder doch die Zahl. Das kann sogar Sinn machen, wie man bei Jack Carter von FrauBrummer sieht.

Nun zum Klappentext. Wichtig zu unterscheiden ist zunächst zwischen dem Klappentext hinten auf dem gedruckten Buch und dem Text der vorne auf der ersten oder zweiten Seite oder im Einband steht. Hinten steht meist etwas, das neugierig macht, das den Leser dazu bringt, wissen zu wollen, um was es in den Buch überhaupt geht. Idealerweise schlägt er dann auf die erste oder zweite Seite und liest diese etwas ausführlichere Inhaltszusammenfassung durch, die schon ein wenig mehr vom Inhalt und den Personen preis gibt. Ich vermute mal, dass auf Wattpad eine Mischung aus beiden Texten optimal ist, vielleicht aber auch eher in Richtung Klappentext als in Richtung Inhaltszusammenfassung.

Hier lasse ich mich mal wieder von bereits erschienenen Werken leiten. Das Problem ist nur, dass bei den wirklich guten und erfolgreichen Büchern die Klappentexte langsam aber sicher von Zitaten und Ranking-Platzierungen ersetzt werden, weil sowieso jeder inzwischen weiß, um was es geht. Ich habe mir dennoch ein paar Bücher aus dem Regal geholt und verschiedene Techniken gefunden.

1. Nimm ein Zitat.

Es ist ein allseits beliebtes Mittel, einfach eine spannende Stelle aus der Geschichte zu nehmen und als Beschreibung anzugeben. Ich finde, das gelingt nur, wenn diese Stelle auch wirklich das Zeug dazu hat. Es darf nicht einfach irgendeine Stelle sein. Sie sollte den Hauptkonflikt zeigen, also das, worum es im Kern der Geschichte geht, ganz viele Andeutungen machen, aber die aufkommenden Fragen auf keinen Fall beantworten. Ein Beispiel wird besser zeigen, worauf ich hinaus will.

„Ich hätte weglaufen können. Noch heute spukt dieser Gedanke oft durch meinen Kopf. Ich hätte mich heimlich von der Gruppe entfernen können, genügend Gelegenheiten hätte es gegeben. Aber hätte das etwas geändert? Wäre das Projekt abgebrochen worden? Wäre vielleicht kein Blut geflossen? Es ist so sinnlos, sich diese Fragen zu stellen, mein Verstand weiß das. Aber die Fragen wissen es nicht. Sie kommen – ohne vorher anzuklopfen und sich zu erkundigen, ob es gerade passt.“

Dieser Klappentext ist aus Isola von Isabel Abedi, einem wunderbaren Buch über eine Gruppe von Jugendlichen, die zum Zwecke eines Filmprojektes auf einer Insel „eingesperrt“ werden. Natürlich werden sie nicht wirklich eingesperrt, aber ohne Boot kommt man auch schlecht von einer Insel weg. Das Zitat des Klappentextes schafft es, finde ich zumindest, wirklich gut die Handlung anzudeuten (es ist Blut geflossen, irgendwas ist passiert, von welchem Projekt spricht sie, usw.) aber gleichzeitig nur so viel zu verraten, als das sie es anscheinend heil aus dieser Sache heraus geschafft hat, sonst könnte sie ja nicht darüber berichten.

2. Fasse die Geschichte kurz zusammen.

Der Klassiker sind natürlich die vier oder fünf Sätze, die wirklich Lust auf die Geschichte machen. Sie sollten, ähnlich wie beim Zitat eben, genug enthüllen, um den Leser mit in die Geschichte zu nehmen, aber natürlich nicht zu viel, sodass die Neugierde bestehen bleibt und man sich nicht schon denkt: Na klasse, ich kann dir genau sagen, was passiert und wie das Buch ausgeht (was mit im Moment in der Buchhandlung im Moment leider zu oft passiert -.-). Ich habe wieder ein paar (meiner Meinung nach) gute Beispiele herausgesucht und werde an ihnen erklären, warum ich sie so toll finde.

„Wo Nacht und Norden enden, liegt über Nebeln die Feste der Schneekönigin. Niemand hat ihr eisiges Reich je vermessen. Keiner geht ohne guten Grund dorthin. Und kaum jemand ahnt, dass ihr Palast auch heute noch dort steht, auf der letzten und höchsten aller Klippen, wo Stein und Eis zu Ewigkeit verschmelzen.“

Dies ist der Klappentext von Frostfeuer, einem Buch von Kai Meyer. Das Besondere daran ist, dass er zwar in das Thema und das Gefühl des Buches einführt, aber weder Figuren noch Handlung anspricht. Zwar kommt die Schneekönigin irgendwann im Buch selbst auch vor (ohne jetzt spoilern zu wollen), aber die Hauptfiguren werden mit keinem Wort erwähnt. Ich finde, dass dieser Klappentext auch neugierig macht, ohne den angesprochenen Ratschlägen zu folgen.

Auch von diesen Ratschlägen abweichend, aber nicht so stark wie das eben genannte Beispiel, zeigt sich der folgende Text. „Ein Hotel in den Bergen von Colorado. Jack Torrance, ein verkrachter Intellektueller mit Psycho-Problemen, bekommt dne Job als Hausmeister, um den er sich beworben hat. zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny reist er in den letzten Tagen des Herbstes an. Das Hotel >Overlook< ist ein verrufener Ort. Wer sich ihm ausliefert, verfällt ihm, wird zum ausführenden Organ aller bösen Träume und Wünsche, die sich in ihm manifestieren.“

Der berühmte Roman Shining von Stephen King wird so angepriesen. Klingt eigentlich ganz harmlos, oder? Es sind nur wenige Worte, die hier den Anschein des Bösen erwecken. Ich würde sagen, dazu zählen „Psycho“, „ausliefern“ und vielleicht auch das „ausführende Organ“. Durch eine ganz bewusste Wortwal wird hier eine Stimmung erschaffen, die selbst noch gar nichts über die tatsächliche Handlung aussagt, sie aber durchaus vermuten lässt.

3. Nutze beides: Zitat und Zusammenfassung.

Dies ist natürlich auch eine beliebte Möglichkeit, doch hier sollte man das Zitat ein wenig anders auswählen, wie ich finde. Man sucht sich entweder ein einleitendes Zitat, das eine Figur oder eine besondere Situation einleitet und durch die Zusammenfassung genauer erklärt wird. Oder man fasst vorher kurs zusammen um was es geht, und bringt mit dem Zitat eine neue, interessante Dimension in den Konflikt ein.

Auf jeden Fall denke ich, dass ihr schon ein ganz gutes Gefühl dafür habt, wie ein guter Titel und ein guter Klappentext klingen sollte. Wenn ihr euch unsicher seid, könnt ihr zum Beispiel Freunde oder Familie fragen, irgendjemanden, bei dem ihr sicher seid, ehrliche Kritik zu bekommen. Versucht doch mal, verschiedene Klappentext-Versionen zu schreiben und euch vorzustellen, welche Geschichte man dahinter erwarten könnte. Werdet euch der Wirkung der einzelnen Worte bewusst und probiert aus 🙂 Ich stehe euch auch gerne helfend bei Seite, wenn ihr wollt.

Ansonsten möchte ich mich noch entschuldigen, selbst mir kam dieses Kapitel etwas konfus vor ^^ In meinem Kopf schwirren meine Hausarbeiten herum, an denen ich gerade sitze und wegen denen ich mich nicht richtig konzentrieren kann. Aber es ist ja geschafft und auf das nächste Kapitel freue ich mich wirklich 🙂 Das Expose. Behaltet auf jeden Fall eure Gedanken zu Titel und Klappentext im Gedächtnis, denn das sind (unter anderem) auch die ersten Informationen, die ihr für euer Expose braucht.

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