Der rote Faden

Hallo meine Lieben und Willkommen zu einem weiteren Kapitel in diesem kleinen Handbuch. Heute soll es um den berühmt berüchtigten roten Faden gehen, wie man ihn umschmückt und gleichzeitig nicht aus den Augen verliert. Ich habe mich dabei wieder an euren Fragen orientiert und versuche sie, so gut ich es kann, zu beantworten.

Ein roter Faden ist laut Wiktionary  „eine Spur, einen Weg oder auch eine Richtlinie“, die sich durch etwas vom Anfang bis zum Ende zieht. Synonym dazu verwendet man auch Grundgedanke, Grundmotiv oder Leitmotiv. Einerseits ist es also die grundlegende Handlung, andererseits auch das, was hinter der Geschichte steht. Die nächsten drei Fragen sollen beantworten, wie man am besten mit dem roten Faden umgeht.

Erste Frage: Wie komme ich zum Ziel?

Für viele auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich nachzuvollziehen, aber trotzdem ein wichtiges Thema: Wie gestalte ich den Verlauf meiner Geschichte? @xsommermaedchen hat zum Beispiel geschrieben, dass sie zwar für Anfang und Ende Ideen hat, aber nicht weiß, wie sie vom einen Punkt zum anderen kommen soll. Um dieses Problem zu lösen, habe ich mehrere Vorschläge.

1) Orientiere dich am Spannungsbogen. Schau zum Beispiel bei der Heldenreise oder dem Fünf-Akt-Drama nach, welche Wendung deine Geschichte nehmen könnte, um spannend und interessant zu bleiben. Eine gute Übung: Was wäre das Schlimmste, das deiner Figur geschehen könnte? Lass es geschehen und schau zu, wie sie darauf reagiert.

2) Führe eine neue Figur ein oder gestalte eine neue, ungewohnte Umgebung, die ein wenig Schwung in vielleicht schon festgefahrene Beziehungen bringt. Manchmal ist es auch eine gute Übung, einen weiteren Handlungsstrang einzuführen, zum Beispiel ein Geschehen parallel stattfinden zu lassen oder aus der Sicht einer anderen Figur zu schreiben, um die eigentliche Geschichte ein wenig auszuschmücken und interessanter zu machen.

3) Lass dich inspirieren. Viele Autoren haben unterschiedliche Methoden, um neue Ideen zu finden. Manche benutzen Tarot-Karten, andere diese „Story Cubes“, wieder andere nehmen sich reale Situationen zur Inspiration. Mir hilft es oft, wenn ich mit offenen Augen durch die Gegend laufe und mir überlege, was außergewöhnliches/fantastisches/gruseliges/… gleich passieren könnte (ich schreibe aber auch meist Fantasy, vielleicht passt das da eher).

Vielleicht habt ihr noch Tipps und Ideen, wie man eine Geschichte wiederbeleben kann, wenn man nicht mehr weiter weiß?

 

Zweite Frage: Wie verliere ich das Ziel nicht aus den Augen?

Ich würde mal behaupten, dass es aber auch vielen so geht, dass sie eher zu viele Ideen haben, die sie alle einbauen wollen. Dann passiert es schnell, dass man sich in einer Idee verliert und die Geschichte plötzlich in eine ganz andere Richtung geht, als man es eigentlich geplant hatte (@MiraMorgen und @KaroomSmily hatten mich das gefragt). Auch hier habe ich mehrere Lösungen parat, wie ihr damit umgehen könnt.

1) Macht einen Plan. Ich finde es immer schwierig, einfach so drauf los zu schreiben und dann noch den Überblick über die vielen Handlungen zu behalten. Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass jeder einen anderen Stil hat, mit dem Schreiben umzugehen. Wenn ihr allerdings wisst, dass ihr Probleme damit habt, zu oft abzuschweifen oder euch in anderen Ideen zu verlieren, kann es helfen, am Anfang einen Plan zu machen. Entweder ihr notiert in groben Stichpunkten, was nacheinander passieren soll, oder ihr benutzt zum Beispiel die Snow-Flake-Methode (im Kapitel „Vier Schreibtypen“). Mir macht es großen Spaß, ein riesiges, leeres Blatt Papier zu benutzen (zum Beispiel aus einem großen Zeichenblock) und mit Pfeilen und Symbolen aufzuschreiben, was mir zum Verlauf einer Geschichte einfällt. Wie schon erwähnt könnt ihr aber auch Karteikarten, Klebezettel oder solche Sachen benutzen.

2) Streut Puzzleteile. Wenn ihr einen Hauptkonflikt oder ein Rätsel habt, das im Mittelpunkt steht, so könntet ihr zumindest die Daumenregel anwenden, in jedem Kapitel etwas zu erwähnen, das den Leser auf der Lösung zum Konflikt/Rätsel weiterbringt. Ihr könntet jedes mal einen weiteren, kleinen Hinweis streuen, der die Aufmerksamkeit oben hält und euch und euren Lesern das Ziel nicht aus den Augen verlieren lässt.

3) Hinterfragt jede Szene. Weiter vorne habe ich ja schon geschrieben, dass alle Szenen von der ersten oder zumindest dem Anfang abhängen sollten. Die ganze Geschichte passiert, weil am Anfang etwas Außergewöhnliches die Figuren aus ihrer gewohnten Bahn geworfen hat. Ihr könnt nun bei jeder Szene, die euch in den Sinn kommt, fragen, ob sie erstens von der Anfangs-Szene abhängt und zweitens auch dazu beiträgt, dass der zentrale Konflikt in eurer Geschichte gelöst wird. Könnt ihr keine dieser Fragen mit „ja“ beantworten, kann es sein, dass ihr inhaltlich abschweift und diese Szene nicht ganz so wichtig und relevant ist.

4) Lasst es zu und geht darauf ein. Vielleicht ist eine dieser Ideen ja aber wirklich besser, interessanter und spannender als die, die ihr vorher geplant hattet? Niemand zwingt euch dazu, den Plan so fortzuführen, wie ihr ihn euch am Anfang gedacht habt. Natürlich ist schon viel durch den bei Wattpad üblichen Klappentext definiert, aber auch das könnt ihr verändern. Eigentlich ist es manchmal sogar ganz gut, den ersten Entwurf ein wenig umzustellen und neu an eine Geschichte heranzugehen. Habt keine Angst vor neuen Ideen, die eure Geschichten umwerfen. Es sind noch immer eure Geschichten und ihr seid keinem dazu verpflichtet, sie strikt von A nach B durchzuziehen.

 

Dritte Frage: Was kann man dabei noch beachten?

Die Frage nach dem roten Faden wurde ja durch die vorangegangene Frage schon teilweise beantwortet, dennoch ist er für mich nicht nur in der Handlung und der Szenenanordnung zu suchen. Der rote Faden beschreibt für mich auch eine Einheit in Stil und Beschreibung oder eine nachvollziehbare Spannungskurve.

1) Einheit in Stil und Beschreibung. Ich finde, es gehört auch zum roten Faden, den eigenen Stil nicht aus den Augen zu verlieren. Eine „einfache“ Lösung hierfür ist wohl die bereits angesprochene Prämisse. Ich will noch einmal verdeutlichen, wie euch eine Prämisse dabei hilft, den roten Faden beizubehalten.

Stellt euch das Schreiben einer Geschichte vor wie ein Weg durch einen riesigen Raum voller Gegenstände. Der Raum ist so vollgestopft, dass ihr gar nicht an den vielen Sachen vorbei kommen könnt. Ihr müsst also einen Plan machen, um euch Schritt für Schritt durch das Durcheinander zu bewegen. Dieser Raum sind eure Ideen und die Prämisse funktioniert jetzt wie eine Art Navigationsgerät. Im Beispiel mit dem Raum könnte eure Prämisse „Grün“ sein (oder „auf Rädern“, „mit Luft gefüllt“, „essbar“, …). Mit dem Wort „Grün“ könnt ihr euch jetzt in dem Raum orientieren, indem ihr versucht von einem grünen Gegenstand zum nächsten zu gelangen. Das Wort leitet euch bei einem Weg, der sonst viel zu unübersichtlich geworden wäre. Beim Schreiben hilft euch die Prämisse einerseits Ideen auszusortieren, die nicht zu eurer Geschichte passen (wie die übrigen Gegenstände im Raum), andererseits auf euren Stil und die Beschreibungen zu achten, denn auch hier könnt ihr die Prämisse anwenden.

2) Die Spannungskurve. Ich versuche immer solche Geschichten zu schreiben, die mir selbst beim Lesen Spaß machen würden (okay, wer tut das nicht ^^). Und bei manchen Büchern ist mir aufgefallen, dass sie mir wegen der Spannungskurve besser gefallen als andere. Ich verdeutliche das mal an einem Beispiel.

Ihr kennt alle Harry Potter. Mein Lieblingsteil der Reihe ist der vierte, „Harry Potter und der Feuerkelch“. Ich habe damals wirklich lange darüber nachgedacht, warum das so ist, und meine Antwort bezieht sich letztendlich auf die Spannungskurve. Dieser vierte Teil ist der einzige, bei dem man weiß, worauf es hinaus läuft. Man weiß: Aha, es gibt drei Prüfungen, die letzte ist die schwerste, man kann dabei sterben und so weiter. Meine Theorie ist, dass mir dieses Buch nur so gut gefallen hat, weil man als Leser einen Plan vor Augen sieht, wie es weiter gehen könnte, und die Spannung entsteht daraus, dass man nicht weiß, ob es tatsächlich so passiert, oder ob Harry die Prüfungen meistert. Der rote Faden ist für den Leser sichtbar und er kann sich auch daran entlang hangeln. Bei den anderen Teilen ging’s mir oft so: okay, jetzt sind wir wieder im Schuljahr, wie lange dauert es denn diesmal, bis wieder was passiert? Ihr könnt mir da gerne widersprechen, das ist nur meine Theorie was den roten Faden angeht.

Generell könnt ihr gerne kommentieren, wenn ihr noch andere Ideen oder Vorschläge habt, wie man mit diesem Thema umgehen kann!

 

Ansonsten wäre es das von meiner Seite für heute, und ich verabschiede mich ins Wochenende und aufs Festival 😛

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