Literarische Werte

Hallo meine Lieben 🙂 Zunächst muss ich mich entschuldigen, dass ich mich erst jetzt wieder melde, aber ich bin gerade ziemlich im Stress. Allerdings hoffe ich, dass ihr das nachvollziehen könnt und mir deswegen nicht böse seid 😀
Nun zum heutigen Kapitel. Es wird ein kleines aber feines Kapitel werden über den literarischen Gehalt unserer Geschichten. Auch wenn ihr euch bisher vielleicht noch keine Gedanken dazu gemacht habt, es kann sich lohnen! Ich habe das Kapitel bewusst ans Ende gestellt, weil dieses Thema keine konkreten Ratschläge bereit hält, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen soll, was man vielleicht im nächsten Projekt angehen könnte.

Als literarische Werte würde ich den Grad der Übereinstimmung einer Geschichte mit existierenden Normen und Erwartungen bezeichnen. Ihr kennt vielleicht die Unterscheidung zwischen Unterhaltungsliteratur und „ernsthafter“ Literatur, manche nennen es womöglich auch „Strand-“ und „Schul“-Lektüre 😉 Aber bevor ich näher darauf eingehe, was diese beiden Lektüren unterscheidet, möchte ich klar stellen, dass das alles nicht wertend gemeint ist. Beide dieser Familien haben ihre Daseinsberechtigung und die eine ist nicht besser oder schlechter als die andere, genauso wie kein Autor besser oder schlechter ist, nur weil er sich einer der beiden Familien zuordnet.
Wenn sich nun jemand ein Buch kauft, um es zu lesen, verbindet er bestimmte Erwartungen mit diesem Buch. Einerseits werden die durch den Klappentext, den Titel und so weiter geweckt, andererseits sind sie schon im Genre, in der Aufmachung oder in der Position im Verkaufsregal angelegt. Wir Autoren wissen natürlich um diese Erwartungen und können bewusst mit ihnen spielen. Je extremer dieses Spiel wird, desto eher hebt sich unsere Geschichte von der breiten Masse der Unterhaltungsliteratur ab. Dies betrifft einerseits den Schreibstil, andererseits den Inhalt der Geschichte.
Der Schreibstil
Solltet ihr euch darum bemühen ein besonderes Werk zu verfassen, ist es wirklich ratsam einen Blick fürs Detail zu entwickeln. Trifft das Wort wirklich genau die Bedeutung, die ich meine? Oder benutze ich es nur, weil ich es in diesem Zusammenhang oft gelesen habe, und es deshalb zu passen scheint? Benutze ich in diesem Moment eine Klischee-Beschreibung oder würde mir vielleicht noch eine bessere, individuellere einfallen?
Ein kleines Beispiel:
Die Katze schlich vorsichtig und langsam auf mich zu, miaute mich leise an und begann, schnurrend um meine Beine zu streifen.
Überlegt euch ganz genau, ob die Katze, die ihr euch vorstellt, wirklich „miau“ macht und tatsächlich „schnurrt“ oder eher brummt, summt… Manche Beschreibungen sind in unseren Wortschatz aufgenommen worden, obwohl sich das Beschriebene gar nicht so anhört oder nicht so aussieht. Es erinnert mich auch oft an diese „Kindersprache“ (Wie macht die Katze? „Miau“!). Versucht mal mit den Buchstaben zu spielen, bis ihr eine Beschreibung gefunden habt, die dem tatsächlichen Laut der Katze entspricht.
Dasselbe könnt ihr auch mit Vergleichen und Metaphern machen, allerdings dürfen sich die Formulierungen, die ihr dann wählt, nicht unnatürlich oder aufgesetzt anhören. Es ist gar nicht so einfach, natürlich wirkende Vergleiche oder Metaphern zu finden, die nicht jeder zweite Autor schon einmal benutzt hat. Aber ich bin mir sicher, mit ein wenig Übung und Kreativität schafft das jeder von uns 😉
Wenn ihr etwas ganz Ausgefallenes wagen wollt, könntet ihr auch ausprobieren, anstatt den Regeln der Beschreibung zum Beispiel die Regeln der Grammatik oder des Satzbaus auf den Kopf stellen. Ihr könnt die Grenzen zwischen Erzählung und Gedicht verwischen oder Absätze mitten im Satz unterbrechen. Natürlich muss der Leser immer in der Lage sein, euch dabei zu folgen, aber ich finde, dass ein wenig Verwirrung manchmal auch neugierig machen kann.
Der Inhalt
Es spielt natürlich auch eine Rolle, ob ihr mit dem Verlauf und der Art eurer Geschichte die typischen Klischees bedient. Allerdings gibt es inzwischen so viele verschiedene Geschichten, dass der Unterschied zwischen dem Besonderem und dem Normalen verschwimmt. Ich kann euch nur den Rat geben, ein wenig herum zu probieren, vielleicht manchmal genau das Gegenteil geschehen zu lassen von dem, was der Leser womöglich erwartet.
Für manche ist der folgende Ratschlag vielleicht nicht so interessant, aber um die Tiefe eures Werkes zu vergrößern, könnt ihr auch bekannte Personen in die Geschichte einfließen lassen. Ich spreche jetzt nicht von Sängern oder Schauspielern, sondern eher von Leuten, die ein moralisches Gewicht besitzen oder als weise gelten. Sol Stein spricht zum Beispiel von biblischen oder politischen Figuren, die nicht unbedingt persönlich auftreten müssen, aber schon allein durch die bloße Erwähnung Querverweise und Assoziationen entstehen lassen. Es könnte zum Beispiel in eurer Geschichte eine Figur geben, die ständig Goethe oder Bibelverse zitiert. Damit regt ihr eure Leser zum Nachdenken an und eure Geschichte erhält literarisches/politisches/historisches Gewicht.
Jetzt, da wir unser literarisches Niveau gehoben haben, habe ich noch was (meiner Meinung nach) richtig tolles für euch. Mir geht es oft so, dass ich das Gefühl habe, dass einer Geschichte oft die Einheit fehlt, etwas, das sie in sich rund und stimmig macht. Um dieses Problem zu lösen, könnt ihr euch ein Thema bzw. eine Prämisse für eure Geschichte ausdenken. Dies ist ein Satz oder eine Formulierung, die zur Grundlage eures Schreibens und eurer Ideen wird und euch leitet, wenn ihr gerade einen Einfall braucht. Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas abstrakt, aber mit einem Beispiel wird es klarer, versprochen.
Nehmen wir mal „Die Tribute von Panem“, denn dort ist es echt offensichtlich. Das Thema bzw. die Prämisse ist hier „Brot und Spiele“ und dieser Ausdruck zieht sich wirklich durch die ganze Geschichte. Was bringt Gale in der ersten Szene mit? Ein Brot. Was bedeutet „Panem“ übersetzt? Latein für Brot. Was ist Peeta von Beruf? Bäcker. Dieses Frage-Antwort-Spiel könnten wir jetzt ewig lang fortsetzen und euch fallen bestimmt noch viel mehr Sachen ein, wenn ihr darüber nachdenkt.
Meine Dozentin meinte, das Thema sei wie ein Desktop-Hintergrundbild. Es ist da und ihr seht es die ganze Zeit, aber ihr nehmt es nicht direkt war, es verschmilzt mit den anderen Elementen wie die Hintergrundmusik bei einem Film. Erst wenn ihr beginnt, darauf zu achten, fällt es euch auf.
„Brot und Spiele“ hat auch den Vorteil, dass es einen Bogen zum antiken Rom schlägt. Dort war dieser Spruch Sinnbild eines erfolgreichen Regierens, wenn man verhindern wollte, dass das Volk aufbegehrt. Wenn der Hunger gestillt und der Verstand mit Spielen und Attraktionen abgelenkt ist, kommt keiner auf die Idee eine Rebellion zu starten. In „Die Tribute von Panem“ wird das ad absurdum geführt, denn in Distrikt 12 leiden die Menschen Hunger und die Spiele sind kleine willkommene Ablenkung, sondern ein grausames Mittel, um Macht zu demonstrieren. Vermutlich ist genau das der Grund, warum das System schließlich scheitern muss…
Ich selbst war am Anfang auch etwas skeptisch mit dieser Themen/Prämissen-Geschichte, aber ich habe es bei der Stadt der Masken ausprobiert und finde es eigentlich ganz hilfreich. Wenn man beispielsweise nach Vergleichen sucht oder etwas beschreiben will, greift man einfach auf das Thema zurück und schon hat man einen Anfang, wie man an die Szene ran gehen kann. (Wer mein Thema bei der Stadt der Masken herausgefunden hat, darf sich bitte melden ^.^)
So, das war’s auch schon wieder für heute. Ich möchte euch noch einmal aufrufen, mir Kapitel-Vorschläge zu schicken, denn ab dem nächsten Kapitel werde ich damit anfangen, eure Vorschläge zu verarbeiten. Wenn ihr also denkt, ich müsste über ein Thema unbedingt noch etwas schreiben, dann meldet euch bitte oder schreibt es in die Kommentare 🙂 Und übrigens: Ihr seid die Besten! Als ich angefangen habe, das hier zu schreiben, hätte ich nie und nimmer mit 7,5K reads und an die 700 votes gerechnet o.O Ihr seid einfach unglaublich 😉 Vielen Dank für eure Unterstützung!
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