Die Redaktion

Hallo meine Lieben, und Willkommen zu einem weiteren Kapitel 🙂 Je näher wir uns auf das Ende dieses Buches zubewegen, desto weiter schreiten wir natürlich auch in der Entwicklung eurer Geschichte voran. Deshalb soll es heute um die Redaktion, also die Überarbeitung des bereits Geschriebenen gehen.
Dazu passt gleich zu Anfang ein Zitat des Literaturnobelpreisträgers Ernest Hemingway: „Der erste Entwurf ist immer Mist.“ Daran seht ihr, dass es wirklich wichtig ist, seine Geschichte zu überarbeiten, in Frage zu stellen, umzuwerfen und neu aufzubauen. Natürlich muss man nicht gleich zu den drastischen Mitteln greifen und alles streichen, aber oft hilft es, einmal ganz neu auf die Szenen und Kapitel zu schauen.
Ich möchte euch nun eine kleine Checkliste an die Hand geben, die ihr durchgehen könnt, um zu schauen, ob ihr bei der Überarbeitung an alles gedacht habt.

Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung
Diesen ersten Punkt würde ich am liebsten gar nicht aufführen, weil ich ihn für so selbstverständlich halte. Mit Computer und Smartphone ist es so einfach, schnell nach der richtigen Schreibweise zu suchen oder den Text auf Fehler überprüfen zu lassen. Bitte, nutzt diese Möglichkeiten auch (Ich möchte jetzt nicht über die Qualität mancher Geschichten auf Wattpad reden :D). Gerade wenn ihr das Internet nutzt, um euch für die Öffentlichkeit und vielleicht auch für Verlage zu präsentieren, erwarten diese, dass ihr fehlerfrei schreiben könnt.
Klar, es gibt immer mal wieder Flüchtigkeits- und Tippfehler (und ich will gar nicht wissen, wie viele in diesem Buch stecken!), die lassen sich aber einfach entfernen, wenn man noch einmal gründlich drüber liest oder es eben mit technischen Hilfsmitteln überprüfen lässt.
Inhaltliche Fehler
Schwieriger sind da schon Fehler, die den Inhalt betreffen. Hier gibt es auch eine größere Spanne, was denn überhaupt ein „Fehler“ ist. Zum einen gibt es Geschichten, deren Handlungen in sich nicht stimmig sind. Dies nennt man Logikfehler, ich werde später noch darauf zu sprechen kommen.
Zum anderen gibt es Fehler, die gegen allgemein bekannte Tatsachen sprechen. Wenn ihr zum Beispiel eine Geschichte in Miami spielen lassen wollt, solltet ihr euch vorher ein wenig über diese Stadt informieren, wo sie ungefähr liegt, wie das Wetter dort ist, wie es dort aussieht und so weiter. Natürlich könnt ihr jetzt sagen: Das ist meine Geschichte! Ich kann doch Sachen dazu erfinden! Aber der Leser sieht es vielleicht nicht so. Vielleicht war er selbst schon mal dort und fühlt sich dann verwirrt? Mit Hilfe des Internets lässt sich vieles recherchieren und ich würde euch dazu raten, das auch gründlich zu tun.
Außer ihr macht das bewusst. Vielleicht gehört es ja zum Konzept eurer Geschichte, dass Miami aufgrund einer tektonischen Plattenverschiebung plötzlich nicht mehr am Meer liegt? Oder dass dort an Stelle einer Stadt jetzt eine Wüste ist? Seid euch aber darüber im Klaren, was ihr verändert und warum ihr dies tut.
Adjektive
Darüber haben wir zwar im letzten Kapitel schon einmal gesprochen, aber ich möchte es gerne auch in diese Checkliste übernehmen. Versucht, euren Text mit anderen Augen zu lesen, indem ihr die Adjektive streicht und euch überlegt, ob ihr wirklich jedes einzelne davon braucht. Sol Stein nennt diese Technik „überflüssiges Fett reduzieren“ 😛 Wer mehr dazu wissen will, sollte im letzten Kapitel vorbei schauen, mich anschreiben oder Sol Stein lesen, der dazu echt ausführlich wird ^^.
Figuren
Wenn ihr eure Geschichte überarbeitet, solltet ihr auch immer einen Blick auf eure Figuren haben. Ganz zentral ist die Frage, ob sich eure Figuren im Laufe der Erzählung entwickeln. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede, wie stark wir als Autoren das Augenmerk auf die Figuren oder die Handlung legen, aber es liegt auch irgendwie in der Natur des Menschen, sich anzupassen und zu verändern, deshalb solltet ihr das nicht vernachlässigen.
Eine andere Frage ist die, ob sich eure Figuren auch nachvollziehbar verhalten und ob sie sich konsistent mit ihrem Charakter entscheiden und handeln. Wenn ihr hier Widersprüche entdeckt (oder einer eurer Test-Leser), solltet ihr das unbedingt überarbeiten.
Tempo
Passt das Tempo eurer Szene zum Inhalt und der Handlung? Mir geht es oft so, dass ich gerne eine temporeiche und spannende Szene schreiben möchte, mir dann aber so viel einfällt, dass die Szene trotzdem total lang wird. Wenn man eine wirklich schnelle Szene haben will, rät Sol Stein dazu, bis zu 2/3 des Textes zu streichen. Außerdem kann man damit arbeiten, kurze Sätze zu verwenden und häufig Absätze zu machen, so nimmt eine Handlung mehr Platz ein und der Leser hat den Eindruck, dass gerade viel passiert.
Spannung
Durch diesen Trick, indem ihr das Tempo erhöht, könnt ihr gleichzeitig auch Spannung erzeugen. Ich finde es manchmal ein wenig schwierig einzuschätzen, wo meine Szenen spannend sind und wo nicht, dabei gibt es einen ganz einfache Methode. Wennn ihr euch die Szene wieder und wieder durchlest und ihr merkt, ihr schweift an einer Stelle ab und eure Aufmerksamkeit lässt nach, dann kann euch diese Stelle nicht fesseln und ihr solltet sie überarbeiten. Eine andere Möglichkeit ist, andere Personen test-lesen zu lassen: Sind sie neugierig darauf, wie es weitergeht? Mussten sie sich zwingen, bis zum Ende zu lesen?
Dafür eignet sich ja gerade Wattpad bestens, und auch hier gibt es noch einen kleinen Tipp. Habt ihr im Browser mal auf die „Statistik“ eurer Geschichte geschaut? Ihr könnt dort nachlesen, wie viele Reads jedes einzelne Kapitel hat, wie viele Prozent der Leser mittendrin abgebrochen haben und was die beliebtesten Teile sind. So habt ihr (unabhängig von Kommentaren und Votes) noch einmal einen Überblick über die Stärken und Schwächen eurer Geschichte.
Wenn ihr nun die starken und schwachen Szenen entdeckt habt, rät Sol Stein dazu die schwächsten eine nach der anderen zu eliminieren. Entweder ihr überarbeitet sie nur, oder ihr seid knallhart und schreibt sie noch einmal komplett neu. Das mache ich auch gerade bei der Stadt der Masken immer wieder (und deshalb dauerts auch so ewig, bis es neue Kapitel gibt -.-).
Generalüberholung
Und nun zum letztem Punkt der Checkliste, der Generalüberholung. Hier kommen wir auch zu den tollen Logikfehlern, die eine Geschichte besonders zum Ende hinaus schwächeln lassen. Zum Beispiel kann sich die Protagonistin nur aus einer Situatiom retten, indem sie den Bösen mit einer Pistole erschießt. Wenn die Pistole hier zum ersten Mal auftaucht, fragt sich der Leser, woher die denn jetzt kommt. Ihr müsst sie unbedint einmal irgendwann vorher erwähnen, sonst macht das Ende keinen Sinn.
Durch dieses Erwähnen könnt ihr auch super Spannung aufbauen. Sol Stein schreibt: „Wenn im ersten Akt jemand mit einer Pistole auftaucht, weiß das Publikum, dass sie im dritten Akt abgefeuert wierden wird.“ Und dieses Wissen könnt ihr euch zu Nutze machen. Der Leser weiß zwar, dass eine Pistole im Spiel ist, er weiß aber nicht, wer sie letztendlich abfeuert, oder ob die Kugel ihr Ziel trifft, oder ob überhaupt Munition geladen ist, und so weiter.
Genauso gilt das auch für Schauplätze. Nehmen wir an, ein Kindesentführer will sich mit der verzweifelten Mutter irgendwo treffen, um das Kind gegen das Lösegeld zu tauschen, und er nennt den Turm in einer alten Burgruine als Treffpunkt. Das ist an sich kein besonderes Ereignis, bis man vielleicht erfährt, dass die Mutter Höhenangst hat (oder sowas). Wenn man das nicht vorher erwähnt, machen vielleicht manche Reaktionen der Figuren keinen Sinn.
Das passiert vor allem, weil wir die Figuren so gut kennen (sollten), wie unsere besten Freunde. Wir vergessen aber zu oft, dass der Leser sie oftmals nicht so gut kennt und ihm ihre Handlungen dann unlogisch erscheinen.
Deshalb solltet ihr entweder die Geschichte mal ein paar Tage/Wochen liegen lassen, euch mit etwas anderem beschäftigen, und dann noch einmal drüber lesen. Ihr schaut automatisch mit anderen Augen über das Geschriebene. Eine Alternative kann sein, den Text von anderen Personen lesen zu lassen, die dann ihre Meinung sagen. Bitte macht das aber nicht mit eurer Oma oder so, die dann nur sagt: „Das hast du aber toll gemacht, Kindchen.“ Ihr braucht Leser, die ständig alles hinterfragen, was eure Figuren tun und sagen, alles was ihr beschreibt (das kann natürlich auch eure Oma sein ^^). Denn dieses Hinterfragen bringt euch zum Nachdenken und macht eure Geschichte automatisch tiefgründiger und besser durchdacht.
Um ehrlich zu sein fehlt mir das auch ein wenig auf Wattpad. Ich weiß, dass sich viele Autoren hier wünschen, kritisiert zu werden und Anmerkungen zu erhalten, aber selbst in vielen Kritikbüchern kommt das nicht wirklich raus. Deswegen möchte ich jetzt auch mal alle Leser aufrufen, sich mit den Geschichten auseinander zu setzen und nachzufragen, wenn einem etwas seltsam vorkommt. Dafür ist Wattpad doch da, dass man direkt fragen kann und auch gleich eine Antwort erhält. Ein gutes Beispiel dafür finde ich DieWortspieler, die das ziemlich toll machen (auch wenn die meisten der eingereichten Texte schon so gut sind, dass man echt wenig an ihnen kritisieren kann ^^).
Ansonsten möchte ich euch noch die Erfahrung meiner Dozentin mit auf den Weg geben, die uns von ihrem Schreiballtag erzählt hat. Sie meinte, dass sie 30-40% der Zeit für den ersten Entwurf braucht, während die restlichen 60-70% für die Überarbeitung drauf gehen. Und dann ist die Geschichte erstmal soweit, dass sie zum Verlag kann, ohne Garantie dafür wie zufrieden der damit ist und was er sich anders wünscht.
Zum Schluss folgt wie gewohnt eine kleine Übung 🙂 Nehmt euch eine kurze Szene (wirklich kurz), mit der ihr irgendwie unzufrieden seid. Macht euch klar, was passieren soll und wo ihr hin wollt. Legt die erste Szene in die Schublade. Dann schreibt die Szene nochmal, dabei immer im Kopf was euch bei der ersten nicht gefallen hat. Jetzt schaut euch die zweite Szene an: Was hat sich verändert? Seid ihr anders dran gegangen? Was ist immer noch nicht optimal? Jetzt legt die Szene zu der anderen in die Schublade und schreibt die Szene ein drittes Mal.
Ihr seht, ihr könnt ein und dieselbe Szene auf so unterschiedliche Weisen schreiben, und je öfter ihr herausfindet, was euch gefällt und was nicht, desto eher könnt ihr das Schlechte vermeiden.
Und damit wünsche ich euch noch eine tolle Woche ^.^
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