Der Schreibstil

Guten Morgen meine Lieben, schön, dass ihr auch bei diesem Kapitel wieder am Start seid 😉 Wie schon angekündigt, soll es in diesem Teil vor allem um den Schreibstil gehen. Zuvor haben wir lange über das Schreiben gesprochen, wie ihr etwas am besten umschreibt, und letztendlich stand oft der Rat: Die Entscheidung liegt bei euch. Der Stil, wie ihr etwas beschreibt, wie ihr an eine Szene herangeht, macht eure Geschichte letztendlich zu etwas besonderem und hebt sie von anderen ab. Wie könnt ihr nun euren eigenen Stil finden?
Das, was eure Geschichten von anderen unterscheidet, sind zum einen eure Einfälle, zum anderen aber wie ihr diese umsetzt: Euer Stil. Er zeigt sich vor allem in der Wortwahl, aber auch im Satzbau, der Satzlänge und in den Entscheidungen, welche Stilmittel ihr benutzt. Ich möchte jetzt nicht auf jeden dieser Punkte einzeln eingehen, denn ich denke ihr habt damit schon viel Erfahrung gemacht, wisst unbewusst schon sehr gut, welche Wörter welche Wirkung haben. Allerdings kann es euch helfen, euch dessen bewusst zu werden. Deshalb habe ich euch folgende fünf Tipps herausgesucht, die genau darauf hinarbeiten, euren Schreibstil herauszuarbeiten.

1. Euer Ziel
Ihr solltet euch am Anfang immer klar machen: Wo wollt ihr hin? Der Schreibstil eines Textes kann nämlich schon viel über seinen Inhalt aussagen. So schreibt man vielleicht eine Horror-Geschichte anders als eine Love-Story. Ein anderes Ziel kann in der Szene selbst liegen, welches Resultat am Ende stehen soll. Ist es eine spannende Szene? Steht das Kapitel am Anfang oder am Ende? Muss viel erklärt werden, oder weiß der Leser das alles schon? Je nachdem kann es von Vorteil sein, euren Stil anzupassen oder bewusst mit den Erwartungen des Lesers zu brechen.
2. Eure Adjektive
Ein besonderes Kennzeichen eines jeden Textes ist die Wahl der Adjektive. Es gibt Texte, die knapp und klar beschreiben, was sich der Leser vorstellen soll, und wiederum andere Texte, die sehr ausführlich und manchmal auch „schwülstig“ daher kommen.
Ein Beispiel: Die ersten Sätze aus „Die Tribute von Panem“
„Im Wald wartete der einzige Mensch, bei dem ich sein kann, wie ich bin. Gale. Ich spüre, wie sich meine Züge entspannen und ich schneller werde, während ich die Hügel hinauf zu unserem Ort klettere.“
Eine sehr klar und direkt beschriebene Szene, besonders wenn man sie mit folgendem Satz vergleicht:
Die diamantengleich funkelnden Tautropfen glitzerten in kreuz und quer durch den Wald gespannten Spinnenweben und die vielen Tiere, die so früh am jungen Morgen aus ihren Behausungen krochen, schienen kurz innezuhalten, um die farbenfrohe Pracht zu bewundern.
Versucht mal folgende Übung: Nehmt eine Szene eurer Geschichte und streicht ALLE Adjektive. Lest die gekürzte Szene und überlegt euch, welche Adjektive wirklich notwendig sind und welche ihr eigentlich auch weglassen könntet.
Nehmen wir den Satz von eben und schauen, welches Ergebnis wir bekommen:
Die Tautropfen glitzerten in den Spinnenweben und die Tiere, die aus ihren Behausungen krochen, schienen kurz innezuhalten, um die Pracht zu bewundern.
Könnt ihr euch die Szene immer noch vorstellen? Was fehlt? Und was war zu viel? Ich möchte euch nicht raten, keine Adjektive mehr zu benutzen, wirklich nicht 😀 Ich würde allerdings behaupten, dass viele von uns Autoren (mich eingeschlossen) gerne alles genau beschreiben wollen und deshalb dazu neigen, eher zu viel zu beschreiben als zu wenig. Macht euch klar, was die Worte, die ihr wählt, im Leser auslösen, und entscheidet euch für einen einheitlichen Umgang damit.
3. Kill your Darlings
Nun noch ein Rat, der auch für mich am Anfang sehr schmerzhaft war 😛 Jeder Autor hat seine Lieblinge: Formulierungen, Wörter, Konstruktionen, die uns ans Herz gewachsen sind, die wir gerne benutzen, an denen wir so lange herumfeilen, bis wir sie lieben. Sol Stein rät uns nun, alle diese Formulierungen zu streichen (oder zumindest genau zu überdenken). Oftmals sind es nämlich genau diese Stellen, die den Leser stolpern lassen, die aufgesetzt und unnatürlich wirken, die nicht in den Schreib- oder Lesefluss passen.
Auch ich habe Lieblingswörter (zum Beispiel „schien“, siehe im Satz oben 😀 oder „schließlich“) und ich versuche in letzter Zeit wirklich darauf zu achten, sie nicht mehr oder nicht mehr so oft zu benutzen. Welche Wörter/Formulierungen sind das bei euch? Oder welche sind euch bei Texten aufgefallen, die ihr gelesen habt?
4. Eure Vorbilder
(alle genannten männlichen Bezeichnungen schließen die weiblichen automatisch mit ein)
Sicherlich gibt es eine bestimmte Autor (oder auch mehrere Autoren), dessen Schreibstil euch besonders gut gefällt, bei dem die Beschreibungen einfach immer passen, der es schafft, Spannung entstehen zu lassen. Nehmt euch doch die Texte dieses Autors als Vorbild und analysiert, was genau diese Texte so gut macht. Ich würde euch sogar dazu raten, Passagen aus dem jeweiligen Buch zu kopieren und darin anzustreichen, was euch auffällt: Wo wird der Autor ausführlich und was lässt er offen? An welchen Stellen benutzt er welche Adjektive? Wie gestaltet er beispielsweise die wörtliche Rede? Überlegt euch, wo eure Schwachstellen liegen, und seht nach, wie euer Vorbild diese Probleme meistert. Wie beginnt er zum Beispiel ein neues Kapitel? Wie gestaltet er Umbrüche? Lasst euch inspirieren und versucht, euren Stil weiterzuentwickeln. Ich meine damit nicht, dass ihr euer Vorbild kopieren sollt. Aber die heute bekannten Autoren sind nicht umsonst so bekannt geworden, und wir können uns ruhig ein paar Sachen von ihnen abschauen 😉
5. Der letzte Satz
Eine kleine Übung zum Schluss:
Um den eigenen Stil zu finden, rät Sol Stein zu einem kleinen Experiment. Stellt euch vor, die Welt würde untergehen und ihr hättet die Chance, einen letzten Satz in die Welt hinauszuschreien. Jeder Mensch würde diesen Satz hören und wissen, dass er zu euch gehört. Dieser Satz repräsentiert euch als euer Selbst. Würdet ihr den Satz schreien, flüstern, singen? Wie würde der Satz lauten? Wäre er unanfechtbar, diskussionswürdig oder einfach nur schön? Wenn ihr einen Satz findet, der euren Erwartungen entspricht, kann er euch als Orientierung für euer weiteres Schreiben dienen.
So, das war’s auch schon wieder. Das nächste Kapitel wird von der Überarbeitung bereits geschriebener Texte handeln, ein Thema das auch mich gerade besonders beschäftigt 😛 Danach hab ich zwar noch ein paar Sachen geplant, dennoch möchte ich euch jetzt schon mal fragen:
Habt ihr Wünsche, welche Themen ich noch behandeln könnte? Was würde euch interessieren? Wozu habt ihr Fragen? Über welche Kapitel würdet ihr euch noch freuen?
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