Die Rückblende

So, meine Lieben. Nachdem ich diesen wunderbar sonnigen Nachmittag in der Sonne sitzend verbracht habe, um dieses Kapitel für euch zu schreiben, ist es nun endlich da 😛 Wie im Titel schon angedeutet, soll es hier um die Rückblende gehen, die zumindest nach Sol Stein zu den drei häufigsten Problemen beim Schreiben zählt, die Wirkung eines Textes zerstören können. (Die anderen beiden wären das Aussehen einer Figur zu beschreiben und die Figur und deren Gedanken zu charakterisieren, aber das haben wir ja schon behandelt ^^).
Die Rückblende, oder: Wie erzählt man die Vorgeschichte am Besten?

Mit einer Rückblende meine ich hier eine längere Reise zurück in die Vergangenheit der Figuren, also eine ganze Szene, die sich vor der eigentlichen Handlung abgespielt hat. Sol Stein schreibt in dem Kapitel zur Rückblende als erstes: Lasst es bleiben. Denn die meisten Rückblenden seien sinnlos, da ihr Beitrag zur Geschichte nicht zwingend notwendig wäre und der Autor sie besser nicht eingefügt hätte. Das mag sein, allerdings finde ich, dass es durchaus auch Situationen gibt, die es würdig sind, in einer Rückblende ausführlich beschrieben zu werden. Trotzdem solltet ihr beachten, dass ihr nicht zu oft Rückblenden in eure Geschichten einbaut, da sie immer den Fokus von der aktuellen Handlung ablenkt. Das kann aber natürlich auch absichtlich geschehen 😉
Auf jeden Fall könnt ihr folgende Kriterien zur Rückblende durchgehen:
Wie eben schon erwähnt, sollte die Rückblende die Handlung erhellen. Am Besten geschieht das natürlich an der Stelle der Handlung, auf die sich die Rückblende auch bezieht. Eine Rückblende wird dann nötig, wenn sie nur geschrieben wird, damit etwas da steht, oder um Platz zu füllen. Aber ich denke, das ist euch schon klar 🙂
Der Inhalt der Rückblende sollte möglichst anschaulich gestaltet werden. Nach dem Mottoshowdon’ttell bedeutet das: Wir sollten lange, narrativ zusammenfassende Stellen vermeiden und vielmehr die Handlung in einer konkreten Szene verpacken. Natürlich gibt es auch gute narrative Rückblenden von bekannten Autoren, die sich darin perfektioniert haben (ich habe auch hier auf Wattpad schon ziemlich gute gelesen!). Allerdings ist das wirklich schwer und gerade am Anfang kann man an einer konkreten Szene besser üben.
Aus dem eben genannten Kriterium ergibt sich noch ein weiterer, wichtiger Punkt: Die Szene sollte den Leser vom ersten Satz an packen und ihn emotional noch enger an die handelnden Figuren knüpfen. Denn das ist, meiner Meinung nach, die Hauptaufgabe einer Rückblende. Bloße Tatsachen kann man auch durch eine Erwähnung einbauen, einfach nennen oder aufzählen, aber für die Vermittlung von Gefühlen empfiehlt sich eine komplette Szene, die den Leser fesselt.
Wie könnt ihr das erreichen?
Sol Stein rät dazu, direkt mit einem Dialog in die Rückblende einzusteigen, da das die Aufmerksamkeit des Lesers gleich auf die Szene lenkt. Wenn ein Dialog unpassend scheint, oder jemand nicht unbedingt auf Dialoge steht (je nach Geschmack), kann man den perfekten Einstieg bestimmt auch anders erreichen. Ich bin sicher, dass ihr da noch mehr gute Einstiegsmöglichkeiten kennt.
In der Schule lernt man, dass eine Handlung, die vor der eigentlichen Handlung spielt, vom Tempus her eine Stufe in die Vergangenheit gerückt werden muss. Das würde bei einer Geschichte im Präteritum eine Rückblende in der Vorvergangenheit bedeuten, á la „Sie war gegangen, sie hatte gegessen, …“ Sol Stein sagt allerdings, dass wir als Autoren dies tunlichst vermeiden sollten. Ihr habt vielleicht auch schon gemerkt, dass sich solche Konstruktionen sehr umständlich lesen und sie oft den Lesefluss einschränken. Dadurch wird eine Barriere zwischen Leser und Text geschaffen, die wirklich unnötig ist. Wir können eine Rückblende nämlich auch im Tempus der Haupthandlung verfassen. Das wirkt am Anfang etwas ungewohnt, aber entfaltet gleich eine ganz andere Wirkung. Mir ist das auch nicht bewusst aufgefallen, bis ich die Beispiele in Sol Steins Buch gelesen habe ^^
Ein weiterer Tipp: Die Rückblende in eine konkrete Szene einbauen und anhand dieser Szene Stück für Stück beschreiben. So können beispielsweise konkrete Ereignisse die Figur an etwas Bestimmtes erinnern, zu dem sie in Gedanken zurückversetzt wird. Oder ein Dialogpartner spricht die Figur auf etwas in der Vergangenheit liegendes an.
Wir saßen im Auto, sollten eigentlich aussteigen.
„Was ist denn los mit dir?“, fragte mich Thomas und legte sanft seine Hand auf meine. „Warum willst du nicht reingehen?“
Ich sagte nichts, wollte nichts sagen, am Besten nichts denken.
„Ist es, weil er dich in der Schule immer geärgert hat?“ Thomas sah mich eindringlich an, aber ich schaute schnell weg. Sollte er denken, was er wollte.
„Du solltest das endlich mal hinter dir lassen“, meinte er noch, bevor er ruckartig aus dem Auto ausstieg und den beleuchteten Eingang ansteuerte.
In diesem Dialog wird eine Rückblende angedeutet oder eingeleitet, je nach dem, und zwar ohne, dass die Hauptfigur überhaupt zu Wort kommt. Das ist allerdings nur ein Beispiel. Es gibt natürlich hundert Wege, wie eine Rückblende geschrieben werden kann.
Und ich freue mich darauf, eure Rückblenden zu lesen, wenn ihr vielleicht meine Übung ausführt:
Schreibt eine Rückblende, die mit einer Szene verflochten ist. Versucht die Rückblende dabei so unauffällig und unaufdringlich wie möglich einzuführen, und vor allem: Vermeidet die Vorvergangenheit (oder die Vergangenheit wenn ihr im Präsens schreibt). Ich bin echt gespannt, was ihr euch einfallen lasst 🙂
Achso, dann hab ich noch eine Frage an euch: Was die drei schwierigsten Punkte beim Schreiben für Sol Stein sind, wisst ihr ja jetzt. Für mich sehe ich das ein wenig anders. Meine drei Probleme sind 1) die Spannungsbögen, 2) die Einheitlichkeit des Stils und 3) die Figurenentwicklung. Was ist eure Top 3? Und soll ich auf die Punkte in Zukunft mal eingehen?
Ich werde auch gleich ein neues Inhaltsverzeichnis hochladen, in dem ihr nochmal nachlesen könnt, was ich in den nächsten Kapiteln so vor habe 😉
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