Glaubwürdigkeit und Emotionen

Wie schon angekündigt handelt dieses Kapitel von Glaubwürdigkeit und wie Emotionen dabei helfen können. Emotionen sind eigentlich die Grundlage unseres Handwerks. Wir wollen Geschichten schreiben, die den Lesern im Gedächtnis bleiben, die ihm zum Nachdenken und zum Weiterlesen anregen. Wie schaffen wir es, dass unsere Geschichte nicht nach der letzten Seite vergessen wird? Die Antwort ist einfach: Wir müssen Emotionen wecken. Dabei müssen es nicht einmal positive Gefühle wie Mitgefühl sein, wir können die Hauptfigur auf abstoßend finden und verabscheuen, aber trotzdem wollen wir wissen, wie es mit ihr weiter geht (bestes Beispiel: Das Parfum). Aber zunächst soll es darum gehen, was eine Geschichte und deren Figuren glaubwürdig macht.

Glaubwürdigkeit bedeutet, dass unsere Geschichten so gut sind, dass der Leser sie als „würdig“ betrachtet, gelesen und gefühlt zu werden. Das geschieht auf zwei Ebenen.
Erste Ebene: Die Charaktere sollten sich glaubwürdig verhalten.
Es ist so ziemlich das Schlimmste, was einer spannenden Szene passieren kann: Ein Mädchen wird von zwei bewaffneten Männern bedroht, plötzlich zieht sie ihren Dolch und ersticht beide. Diese Szene wird erst glaubwürdig, wenn wir erfahren, dass dieses Mädchen vorher vielleicht mit ihrem großen Bruder trainiert hat. Oder dass sie sich die letzten Wochen im Wald selbst durchkämpfen musste.
Der Schlüssel liegt darin, besondere Handlungen oder Aktionen der Charaktere durch Beschreibungen vorzubereiten, sodass sie nachvollziehbar und… naja glaubwürdig werden 😉 Natürlich darf uns eine Figur auch mal überraschen, aber wenn sie das zu oft tut, können wir sie nicht mehr einschätzen, wir verlieren die Verbindung zu ihr und vermuten die Hand des Autors dahinter.
Zu Glaubwürdigkeit zählt auch, dass wir der Figur abkaufen, warum sie sich in ständige Gefahren stürzt und mit ihrem Leben spielt: Sie braucht ein starkes Motiv. Das kann alles Mögliche sein. Zum Beispiel ein Kind, das die Person mit ihrem Leben beschützen will. Oder ein Gegenstand, der sie an eine geliebte Person erinnert und zum Weitermachen antreibt. Der innere Antrieb könnte auch ein fernes Ziel sein, das die Figur unbedingt erreichen will (zum Beispiel überleben oder so^^). Wenn der Figur diese „innere Triebfeder“ fehlt, dann kaufen wir ihr nicht ab, warum sie sich in Gefahren begibt.
Zweite Ebene: Wir sollten glaubwürdig schreiben.
Glaubwürdig zu schreiben bedeutet, nicht nur das zu beschreiben, was eine Figur sieht. Das haben mir inzwischen so viele Dozenten geraten und auch ich finde den Tipp inzwischen richtig toll, weil er so leicht umzusetzen ist: Der Mensch hat fünf Sinne, also sollten wir all diese Eindrücke auch beschreiben. Gerade bei solchen Sachen wie Situationsbeschreibungen kann es helfen, die Szene rund werden zu lassen, es nimmt den Leser mit, weil er sich noch besser in unsere Geschichte hineinversetzen kann, weil er es sich besser vorstellen kann.
Übung: Schreibt eine Situationsbeschreibung (Wie kommt die Figur dahin? Und wie ist es da so?), in der ihr alle fünf Sinne ansprecht und sinnvoll beschreibt.
Sol Stein rät dazu, wenigstens den Tastsinn in jeder Szene mindestens einmal anzusprechen, weil Menschen besonders haptisch veranlagt sind. Ich finde das ein wenig übertrieben, aber ab und zu macht das schon Sinn! Generell (auch für die anderen Sinne) gilt noch, dass wir uns nicht auf das Offensichtliche fokussieren sollten, sondern auf die Einzelheiten, die einen vielleicht nicht sofort anspringen. Wir sollten nicht die Ding-Dong-Türklingel beschreiben, sondern darauf hören, wie die sich die Klingel wirklich anhört. Macht die Katze Miau oder doch ganz anders? Auch solche Details helfen dabei, eine Geschichte glaubwürdiger, fühlbarer zu machen.
Damit kommen wir wieder zu den Emotionen. Ich hab mal gehört, dass das irgendwie im Gehirn verankert ist, dass wir uns besonders die Dinge merken, die unsere Gefühle ansprechen (nagelt mich jetzt nicht darauf fest, aber vielleicht ist deswegen Mathe so anstrengend? :P). Wenn wir also wollen, dass unsere Geschichte in den Gedächtnissen der Leser bleibt, sollten wir irgendeine Emotion auslösen, sei es Mitgefühl, Liebe, Freude, Wut, irgendwas.
Um es mit der Stimme eines Casting-Show-Moderators auszudrücken: Ich habe leider nicht gefühlt, was du eben gesungen (geschrieben) hast. Das bedeutet, dass der Kandidat nicht genug Gefühl in sein Lied (seinen Text) hineingelegt hat. Denn genau das sollten auch wir Autoren tun. Das bedeutet, wir müssen uns (übrigens auch genau wie ein Schauspieler) in die Situation unserer Figuren hineinversetzen, um ihre Gefühle zu erleben. Es ist auch irgendwie für uns ein Akt der Entblößung, wenn wir eigentlich unsere Gefühle beschreiben, aber wir verpacken sie ja in die eines anderen.
Ich habe gehört, dass Schauspieler sogenannte Trigger-Momente speichern, um bestimmte Emotionen heraufzubeschwören und auf Abruf bereit zu haben. Manche Autoren machen das durch Musik, andere haben eine Liste an eigenen Momenten, an die sie sich erinnern und in die sie sich hineinversetzen können.
Übung: Versetzt euch in eine Situation großer Freude oder großen Triumphes, die ihr wirklich erlebt habt. Wie fühlst du dich? Beschreibe alles, was dir dazu auffällt, wie es dir geht, … Fällt es dir leichter, darüber zu schreiben? Und denkst du, dass dir das In Zukunft bei der Beschreibung dieses Gefühls helfen wird?
Somit gebe ich für heute ab und wünsche euch alle frohe Ostern und so, genießt das tolle Wetter ^^ (bei mir regnets ja, aber was solls :P)
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