Der Konflikt

Der Konflikt entsteht also daraus, dass die Ziele von Protagonist im Kontrast zu denen des Antagonisten stehen. Wie auch @PrivatesProblem in den Kommentaren zum letzten Kapitel angemerkt hat, muss dies nicht bedeuten, dass sie etwas Gegensätzliches wollen, sondern es kann auch heißen, dass sie sich über die Wege, ein Ziel zu erreichen, nicht einig sind. Danke für den Hinweis!
Wichtig ist allerdings, dass der Konflikt wichtig genug ist, um die Gemüter der Figuren in der Geschichte so zu fesseln, dass sie von dem Konflikt eingenommen werden und ihn unbedingt zu ihrem Gunsten lösen wollen. Sol Stein nennt als häufigste Auslöser Geld, Liebe und Macht, da dies wohl die häufigsten Sehnsüchte eines Menschen darstellen. Um den Konflikt bedeutungsvoll werden zu lassen, rät Sol Stein die Sehnsucht als Folge einer wichtigen Lebensentscheidung einzuführen, also zum Beispiel nach einer Trennung oder einem Umzug. Ich glaube, ich muss das nicht näher erläutern, in vielen Geschichten wird das ja schließlich schon umgesetzt.

Was ich allerdings sehr hilfreich fand, war die Beschreibung der Konfliktumgebung als Schmelztiegel. Dabei gibt es mehrere Versionen.
> Entweder sind die Figuren durch eine tatsächliche räumliche Barriere gezwungen, den Konflikt auszutragen. Das kann zum Beispiel ein Gefängnis sein, eine Insel, eine Stadt, die die Figuren nicht verlassen können (zum Beispiel wenn die restliche Welt durch einen Meteoriten zerstört wurde oder so :P).
> Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Figur von emotionalen oder sozialen Banden an den Ort geknüpft wurde. Vielleicht kann sie nicht weg, weil ihre Familie sie braucht, oder weil sie noch minderjährig ist, oder weil der Beruf sie an die Stadt kettet.
> Zum Schluss kann es auch noch vorkommen, dass der Wunsch der Hauptfigur, den Konflikt fortzuführen beziehungsweise aus der Welt zu räumen, stärker ist, als der Drang davonzulaufen.
Bei allen diesen drei Versionen geht man als Autor sicher, dass sich der Konflikt nicht verläuft, sondern dass die Gegenspieler immer wieder aufeinander treffen und so die Spannung erhöhen. Ebenso sind die Figuren dazu gezwungen, den Konflikt irgendwie aus dem Weg zu räumen (zumindest vielleicht der Protagonist), um ihr normales und gewünschtes Leben fortzuführen.
Wenn ihr merkt, dass eure Geschichte in einer Sackgasse steckt, oder dass die Spannung nachlässt, weil für den Moment alles gesagt und getan ist, was die Handlung zulässt, rät Sol Stein dazu, eine neue Figur einzuführen, die ebenfalls ein Interesse an dem Konflikt oder an dem Objekt der Wünsche hat, um das es dabei geht. Diese zusätzliche Person muss die grundsätzliche Handlung nicht unbedingt beeinflussen, es geht einfach darum, eine neue Perspektive einzuführen und neuen Schwung in die Beziehungen zu bringen. Vielleicht macht diese eine Person alles nur noch schlimmer? Oder sie bringt die beiden bisherigen Figuren dazu, für eine kurze Zeit zusammen arbeiten zu müssen?
Neben weiteren Figuren können es natürlich auch Naturereignisse oder andere äußere Einflüsse sein, die das bisherige Setting verändern und neue Handlungen möglich machen. Hier muss man aber immer darauf achten, dass diese Eingriffe nicht willkürlich und deus ex machina-mäßig herüber kommen, sonst verliert die Geschichte an Glaubwürdigkeit.
Eine weitere Möglichkeit, um einen Konflikt zu verstärken und Spannung entstehen zu lassen, ist die Handlung so weit zu führen, bis zwei Personen mit unterschiedlichen Erwartungen aufeinandertreffen. Stellt euch diese Szene so vor, als hätten die zwei Personen vorher zwei unterschiedliche Drehbücher bekommen, nach welchen sie die Szene nun spielen sollen. Beide reden erst einmal komplett aneinander vorbei (und ärgern sich vielleicht über die Ignoranz des anderen), bis sie (oder vielleicht auch nicht) darauf kommen, was das eigentliche Problem ist. Man kann das auch nicht ganz so plakativ machen, indem die Figuren vielleicht unterschiedliche Rollenverständnisse haben, unterschiedliche Weltanschauungen und so weiter. Probiert mal aus, welche Auswirkungen das auf eine Szene, einen Dialog haben könnte.
Übung: Überlegt euch, welchen Schmelztiegel man in ihrer Geschichte findet und wie man diesen noch steigern könnte, um die Spannung zu erhöhen. Beispiel: Zwei Figuren arbeiten jeden Tag im gleichen Großraumbüro und gehen sich immer ziemlich auf die Nerven. An einem Tag fällt der Strom aus und die Technik streikt, deshalb sind weder die Sicherheitstüren noch die Fahrstühle benutzbar. (Ja, ich weiß, Naturereignis und so, sollte auch nur ein Beispiel sein, euch fallen eh viel bessere Sachen ein :D)
Ich möchte zum Schluss noch einmal betonen, dass diese Beschreibungen lediglich als Anregung zu verstehen sind, über das Geschriebene nachzudenken. Nicht jede Geschichte, die all das hier beherzigt, wird zum Bestseller und es im Gegenzug gibt es auch genug tolle Geschichten, die nur einzelne oder gar keine der beschriebenen Punkte aufnehmen. Auch ich werde beim Schreiben dieser Kapitel oft genug damit konfrontiert, was ich alles anders machen müsste… Aber ich glaube, jeder Autor muss in dieser Hinsicht einen Weg für sich selbst finden, und diese Kapitel sollen ein Denkanstoß dazu darstellen.
Nun noch ein schönes Wochenende und viel grüße aus dem Seminar 😛
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